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HardwareVon Stefan Haun8 min Lesezeit

PC stürzt beim Zocken ab: die Ursachen in der richtigen Reihenfolge prüfen

Illustration: ein Gaming-PC mit Glasseite neben einem Monitor, dessen Bild in bunte Blöcke und Streifen zerfällt, über dem Gehäuse schweben drei Warndreiecke

Stürzt der PC nur beim Spielen ab und sonst nie, liegt es fast immer an etwas, das erst unter Last an seine Grenze kommt: Temperatur, Netzteil, ein instabiles RAM-Profil, der Grafiktreiber oder eine Übertaktung. Genau in dieser Reihenfolge lohnt die Suche, weil die ersten Punkte am schnellsten geprüft sind und am häufigsten zutreffen. Vorher aber eine Minute für die wichtigste Frage: Wie ist der PC abgestürzt? Ein Bluescreen, ein eingefrorenes Bild, ein schlagartiger Neustart und ein Spiel, das nur zum Desktop zurückfällt, zeigen in verschiedene Richtungen.

Erst einordnen: Bluescreen, Freeze, Neustart oder Spiel-Absturz

Was passiertWas Windows dabei tutWo du zuerst suchst
Bluescreen mit StoppcodeWindows hält kontrolliert an und schreibt den Code ins EreignisprotokollCode nachschlagen (unten); VIDEO_TDR_FAILURE zeigt auf Grafik, WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR auf Hardware
Bild friert kurz ein, flackert, Meldung „Anzeigetreiber reagiert nicht mehr“Windows setzt die Grafikkarte zurückGrafiktreiber, Übertaktung der Grafikkarte, Temperatur der Karte
Schlagartiger Neustart oder Aus, ohne BluescreenWindows kommt nicht mehr dazu, einen Fehler zu schreibenNetzteil zuerst, dann Temperatur
Bild bleibt stehen, nichts reagiert mehrharter HängerRAM-Profil, Übertaktung, Temperatur
Nur das Spiel schließt sich, Windows läuft weiterAbsturz der AnwendungSpieldateien prüfen, Treiber, dann erst Hardware

Microsoft beschreibt die Unterscheidung in seiner Dokumentation zum Ereignis 41: Nach einem unerwarteten Neustart protokolliert Windows beim nächsten Start „Kernel-Power“ mit der Ereignis-ID 41. Steht darin ein BugcheckCode, war es ein Bluescreen. Steht dort 0 oder fehlt der Eintrag ganz, hatte Windows keine Zeit mehr, etwas zu schreiben — laut Microsoft ein möglicher Hinweis auf ein Problem mit der Stromversorgung, ein Netzteil, das „underpowered or faulty“ ist, also zu schwach oder defekt.

So siehst du nach: Rechtsklick auf Start → Ereignisanzeige → Windows-Protokolle → System, dann rechts nach Ereignis-ID 41 filtern. Microsoft weist darauf hin, dass der Code dort als Dezimalzahl steht: 278 ist 0x116, 292 ist 0x124. Der Windows-Rechner im Programmierermodus rechnet das um. Für einen schnellen Überblick über mehrere Abstürze ist der Zuverlässigkeitsverlauf bequemer (Start, „Zuverlässigkeitsverlauf anzeigen“ eintippen).

Die drei Stoppcodes, die beim Spielen am häufigsten Sinn ergeben

  • 0x116 VIDEO_TDR_FAILURE und 0x117 VIDEO_TDR_TIMEOUT_DETECTED: Die Grafikkarte hat nicht rechtzeitig geantwortet. Windows wartet laut Microsoft-Treiberdokumentation standardmäßig zwei Sekunden, dann setzt es die Karte zurück und meldet „Display driver stopped responding and has recovered“. Passiert das fünfmal oder öfter innerhalb einer Minute, folgt der Bluescreen. Verdächtig: Treiber, Übertaktung oder Undervolting der Karte, Temperatur, Stromversorgung der Karte.
  • 0x124 WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR: ein schwerer Hardwarefehler. Microsoft nennt als typische Ursachen Hitze, defekte Hardware, Speicher oder einen Prozessor und rät, Übertaktung abzuschalten, die Lüfter zu prüfen und den Speicher zu testen.
  • Kein Code (BugcheckCode 0): siehe oben — Netzteil zuerst.

Für alle anderen Codes führt Microsoft eine Liste aller Stoppcodes. Danach gehst du die fünf Punkte unten durch, auch wenn der Code schon eine Richtung zeigt. Microsoft selbst empfiehlt bei unerklärten Neustarts dieselbe Reihe: Übertaktung aus, Speicher prüfen, Netzteil prüfen, Temperaturen prüfen.

1. Temperaturen prüfen

Zuerst, weil es nichts kostet und in zehn Minuten erledigt ist. Ein Überwachungsprogramm wie HWiNFO im Hintergrund laufen lassen, 20 bis 30 Minuten das Spiel spielen, in dem der Absturz kommt, und danach die Höchstwerte ansehen. Wie du die Grafikkarten-Temperatur im Spiel einblendest, steht in GPU-Temperatur anzeigen.

Die Grenzwerte nennen die Hersteller selbst:

BauteilHöchsttemperatur laut Hersteller
AMD Ryzen 7 9700X95 °C (Tjmax)
AMD Ryzen 7 7800X3D89 °C (Tjmax)
Intel Core i7-14700K100 °C (TJunction)
NVIDIA GeForce RTX 5070 / 5070 Ti85 °C / 88 °C (max. Temperatur der Grafikkarte)

Was das heißt: Ein Prozessor, der beim Spielen dauerhaft an seiner Grenze klebt, drosselt erst und kann bei schlechtem Kontakt zum Kühler auch abschalten. Für andere Modelle steht der Wert auf der Produktseite des Herstellers unter „Max. Operating Temperature“ bzw. „TJunction“. Liegt dein Höchstwert deutlich darunter, ist Hitze nicht der Grund, und du gehst weiter. Liegt er daran, sind die üblichen Ursachen ein zugesetzter Kühler, ein Lüfter, der nicht hochdreht, oder ein schlecht sitzender CPU-Kühler. Reinigen ist der erste Schritt: PC-Lüfter reinigen.

2. Netzteil: zu schwach oder zu alt

Das Netzteil steht an zweiter Stelle, obwohl es seltener schuld ist als ein Treiber. Der Grund: Es ist die eine Ursache, die keine Spur hinterlässt. Ein PC, der beim Zocken schlagartig ausgeht oder neu startet, ohne Bluescreen und mit leerem BugcheckCode, ist der klassische Fall, den Microsoft beschreibt.

Drei Fragen klären es meist:

  • Kam eine neue Grafikkarte dazu? NVIDIA etwa nennt für die RTX 5070 eine erforderliche Systemleistung von 650 W, für die 5070 Ti 750 W. Wer die Karte an ein altes 550-W-Gerät hängt, ist knapp. Was zu prüfen ist, wenn die Karte neu ist, steht in Netzteil für die neue Grafikkarte.
  • Sind die Stromkabel der Grafikkarte richtig gesteckt? Eigene Kabel je Anschluss statt eines Kabels mit zwei Steckern am Ende, alle Stecker vollständig eingerastet.
  • Wie alt ist das Netzteil? Ein Gerät, das seine Leistung beim Kauf vor vielen Jahren hatte, hat sie nicht unbedingt heute noch: Wie lange hält ein Netzteil?

Grafikkarten ziehen außerdem für Millisekunden deutlich mehr Strom als ihre Nennleistung. Ein Netzteil ohne Reserve schaltet bei solchen Spitzen ab, obwohl der Durchschnitt passt. Wie viel Puffer sinnvoll ist, rechnet Netzteil-Reserve: wie viel Watt wirklich? nach. Ohne Messgerät lässt sich ein Netzteil nur begrenzt prüfen; was geht, steht in Netzteil testen.

3. RAM und XMP/EXPO

Ein Speicherprofil ist laut Intel und AMD eine Übertaktung über die Spezifikation des Prozessors hinaus. Meist läuft es stabil, aber nicht immer — und dann zeigt sich das gern erst unter Spiellast, mit Hängern, zufälligen Bluescreens wie MEMORY_MANAGEMENT oder einem eingefrorenen Bild.

  1. Profil im BIOS abschalten und eine Weile spielen. Ist der Absturz weg, war es das Profil. Wo es steht und welche mildere Stufe es gibt, zeigt XMP und EXPO aktivieren.
  2. BIOS aktualisieren. Hersteller verbessern die Speicherstabilität regelmäßig per Update: BIOS-Update Schritt für Schritt.
  3. Speicher testen. Windows bringt die Windows-Speicherdiagnose mit (Win+R, mdsched). Gründlicher ist MemTest86 von einem USB-Stick, der über mehrere Durchläufe laufen sollte.
  4. Gemischte Kits und vier Riegel sind die häufigsten Gründe, warum ein Profil nicht hält. Zwei Riegel aus einem Kit sind die stabile Wahl.

4. Grafiktreiber sauber neu installieren

Wenn das Bild einfriert, kurz schwarz wird und Windows den Treiber zurücksetzt, oder wenn der Absturz nach einem Treiber-Update angefangen hat, ist der Treiber der wahrscheinlichste Täter. Nicht einfach den neuen drüberinstallieren — die Reste des alten bleiben sonst liegen. Die drei Stufen, vom Installer des Herstellers bis zum Display Driver Uninstaller im abgesicherten Modus, stehen in Grafiktreiber neu installieren: sauber statt drüber.

Der neueste Treiber ist nicht immer der richtige. Fing es mit einem Update an, ist der vorherige Treiber die erste Probe. Hat ein Spiel einen bekannten Fehler mit einem bestimmten Treiber, steht das meist in den Versionshinweisen von NVIDIA, AMD oder Intel unter „Known Issues“.

5. Übertaktung und Undervolting zurücknehmen

Alles, was Takt oder Spannung verändert, gehört für die Fehlersuche zurück auf Werkseinstellung:

  • Grafikkarte: Profile in MSI Afterburner, der NVIDIA App oder AMD Adrenalin zurücksetzen. Ein Undervolting, das im Benchmark stabil war, kann in einem einzelnen Spiel trotzdem abstürzen — das ist der häufigste Fall von 0x116 nach einem „erfolgreichen“ Undervolt. Wie es richtig geht: Undervolting: weniger Watt bei gleicher Leistung.
  • Prozessor: PBO, Curve Optimizer oder manuelle Multiplikatoren im BIOS auf „Auto“ bzw. „Default“. Am einfachsten: BIOS-Standardwerte laden, danach nur das Speicherprofil wieder einschalten, wenn Punkt 3 es freigesprochen hat.
  • Werksübertaktete Karten laufen ab Werk über dem Referenztakt. Fällt alles andere weg, lässt sich das mit einem leicht gesenkten Takt oder Power-Limit gegenprüfen.

Microsoft rät in der Anleitung zum Ereignis 41 ausdrücklich: Wenn alle Prüfungen nichts finden, das System auf Standardeinstellungen setzen und schauen, ob der Fehler bleibt.

Checkliste zum Abhaken

  1. Art des Absturzes notieren: Bluescreen mit Code, Treiber-Reset, Neustart ohne Meldung, Hänger, nur das Spiel.
  2. Ereignisanzeige: Ereignis-ID 41, BugcheckCode ablesen und in Hex umrechnen.
  3. HWiNFO mitlaufen lassen, Höchstwerte von CPU und Grafikkarte mit den Herstellerangaben vergleichen.
  4. Bei Neustart ohne Code: Netzteilleistung gegen die Angabe des Grafikkartenherstellers prüfen, Kabel prüfen, Alter des Netzteils.
  5. XMP/EXPO aus, ein paar Stunden spielen. BIOS aktuell?
  6. Speichertest mit MemTest86.
  7. Grafiktreiber sauber neu installieren oder eine Version zurückgehen.
  8. Übertaktung und Undervolting von CPU und Grafikkarte zurücknehmen, BIOS-Standardwerte laden.
  9. Stürzt nur ein einziges Spiel ab: Spieldateien über Steam, Epic oder den Launcher überprüfen lassen.

Bleibt der Absturz nach allen neun Punkten, wird es ein Fall für Tauschen: Grafikkarte in einem anderen Rechner, ein geliehenes Netzteil, ein anderer Riegel. Startet der PC gar nicht mehr, ist die Reihenfolge eine andere: PC geht nicht an — Netzteil oder Mainboard?

Woher die Angaben kommen

Wir betreiben kein Testlabor und haben die hier beschriebenen Abstürze nicht nachgestellt. Die Bedeutung von Ereignis 41, die Stoppcodes und das zweisekündige Zeitlimit für Grafikkarten stammen aus der Dokumentation von Microsoft, die Höchsttemperaturen und Netzteilangaben von den Produktseiten von AMD, Intel und NVIDIA — jeweils an der Stelle verlinkt, abgerufen am 05.10.2026.

Die kurze Fassung

  • Erst einordnen: Bluescreen mit Code, Treiber-Reset, Neustart ohne Meldung oder nur das Spiel.
  • Neustart ohne Bluescreen und ohne Code: zuerst das Netzteil verdächtigen.
  • Danach Temperaturen gegen die Herstellergrenzen prüfen, XMP/EXPO testweise aus, Treiber sauber neu.
  • Übertaktung und Undervolting zurück auf Werkseinstellung, bevor du Teile tauschst.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum stürzt der PC nur bei Spielen ab und nicht im Browser?

Weil erst Spiele Grafikkarte, Prozessor und Netzteil gleichzeitig voll auslasten. Hitze, zu knappe Stromversorgung oder ein grenzwertiges RAM-Profil zeigen sich deshalb erst dann.

Was bedeutet Kernel-Power 41 in der Ereignisanzeige?

Dass Windows nicht sauber heruntergefahren wurde. Steht ein BugcheckCode drin, war es ein Bluescreen. Ist er 0, kam Windows nicht mehr zum Schreiben — Microsoft nennt dafür unter anderem ein zu schwaches oder defektes Netzteil.

Kann eine zu heiße Grafikkarte den PC abstürzen lassen?

Ja. Meist drosselt sie zuerst; reicht das nicht, kann der Treiber hängen und Windows die Karte zurücksetzen oder mit einem Bluescreen anhalten. Die Höchsttemperatur steht auf der Produktseite des Chipherstellers, bei der RTX 5070 sind es laut NVIDIA 85 °C.

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