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HardwareAktualisiert am 4 min Lesezeit

Undervolting: weniger Watt bei gleicher Leistung

Spannungskurve über der Taktfrequenz, abgesenkt gegenüber der Werkseinstellung

Undervolting heißt: dieselbe Taktfrequenz mit weniger Spannung fahren. Nicht langsamer, nicht gedrosselt — dieselbe Leistung, weniger Watt. Das klingt nach einem Trick, der zu gut ist, um zu stimmen, und ist doch nur eine Folge davon, wie Hersteller ihre Chips einstellen müssen.

Warum das überhaupt geht

Zwei Chips derselben Serie sind nicht gleich. Fertigungstoleranzen sorgen dafür, dass der eine bei 1,05 Volt stabil läuft und der andere dafür 1,15 braucht. Der Hersteller kennt beim Ausliefern nicht, welchen du bekommst — also stellt er die Spannung so ein, dass jeder Chip der Serie sicher läuft, mit Reserve obendrauf, über die ganze Garantiezeit und bei Temperaturen, die kaum jemand erreicht.

Für die meisten Exemplare ist diese Spannung mehr, als sie brauchen. Das Undervolting nimmt genau diese Reserve weg — und weil die Verlustleistung quadratisch mit der Spannung steigt, schlagen schon kleine Absenkungen spürbar durch.

Was es an Geld bringt, ehrlich gerechnet

Hier ist der Punkt, an dem die meisten Anleitungen unpräzise werden. Wir haben deinen Chip nicht gemessen und können dir nicht sagen, wie viele Watt bei dir herauskommen — das hängt am Exemplar. Was wir sagen können, ist die Rechnung, in die deine gemessene Zahl gehört.

Sie ist dieselbe wie in Was ein Gaming-PC im Jahr an Strom kostet: gesparte Watt mal Spielstunden mal Strompreis. Bei zwei Stunden täglich und rund 30 Cent je Kilowattstunde ergibt das:

Ersparnisim Jahr
20 Wrund 4 €
30 Wrund 7 €
50 Wrund 11 €
80 Wrund 18 €

Das ist die unbequeme Zahl: Wer einen Nachmittag investiert, um vielleicht sieben Euro im Jahr zu sparen, tut das nicht wegen des Geldes. Bei acht Stunden täglich sieht die Rechnung anders aus, aber das ist nicht der Normalfall.

Wofür es sich wirklich lohnt

Der eigentliche Gewinn ist keiner auf der Stromrechnung:

  • Temperatur. Watt, die nicht verbraucht werden, müssen nicht abgeführt werden. Das ist derselbe Hebel wie ein besserer Gehäusedurchzug, nur an der anderen Seite — siehe PC Airflow Guide.
  • Lautstärke. Weniger Abwärme heißt niedrigere Lüfterdrehzahl. Bei Karten mit aggressiver Lüfterkurve ist das der auffälligste Unterschied überhaupt. Nebenbei wird oft auch das Spulenfiepen leiser — weniger Strom durch dieselben Spulen.
  • Manchmal mehr Bilder pro Sekunde. Klingt widersinnig, ist aber der Normalfall bei Karten, die ins Temperatur- oder Leistungslimit laufen: Wer weniger Watt braucht, bleibt länger im oberen Taktbereich, statt herunterzuregeln. Läuft deine Karte nicht ins Limit, passiert das nicht.

Wie man vorgeht

Vorher messen, sonst weiß man hinterher nichts. Notiere unter Last die Leistungsaufnahme, die Temperatur und die Bildrate — in derselben Szene, über dieselbe Dauer. Ein Benchmark taugt dafür, das Spiel, das du tatsächlich spielst, taugt besser. Werkzeuge dafür stehen in Beste Benchmark-Tools für Grafikkarten.

Bei der Grafikkarte führt der Weg über den Kurveneditor der Übertaktungssoftware: Ziel ist ein fester Punkt, etwa der bisherige Maximaltakt bei einer um 50 bis 100 Millivolt niedrigeren Spannung. Danach ist die Kurve dahinter flach — die Karte geht nicht mehr höher.

Beim Prozessor heißt die Funktion bei AMD Curve Optimizer und arbeitet mit negativen Stufen je Kern, bei Intel mit einem Spannungs-Offset, sofern das Mainboard ihn freigibt. Beides steht im BIOS.

In kleinen Schritten. Eine Absenkung, testen, die nächste. Wer in einem Sprung ans vermutete Limit geht, weiß beim ersten Absturz nicht, wo die Grenze lag.

Testen dauert länger, als man denkt

Das ist der Fehler, den fast alle machen: Zehn Minuten Benchmark laufen ohne Absturz, also gilt die Einstellung als stabil. Instabilität durch zu wenig Spannung zeigt sich aber typischerweise spät — nach ein bis zwei Stunden, oft in einer Ladeszene oder beim Wechsel zwischen Last und Leerlauf, nicht unter Dauervolllast.

Plane also mehrere Abende ein, in denen du normal spielst, und behalte im Kopf, dass ein Treiberabsturz oder ein eingefrorenes Bild jetzt eine naheliegende Ursache hat. Wer das nicht will, lässt es besser — ein System, dem man nicht traut, ist den Nachmittag nicht wert.

Zwei Missverständnisse

Undervolting ist kein Übertakten. Der Takt bleibt, wo er war. Es wird nichts über die Werksangabe hinaus betrieben, und nichts wird dauerhaft in die Hardware geschrieben — ein Zurücksetzen auf die Standardwerte stellt den Auslieferungszustand wieder her.

Und es macht kein zu kleines Netzteil ausreichend. Die Auslegung richtet sich nach dem, was die Hardware ziehen kann, nicht nach dem, was sie nach deiner Einstellung zieht. Wie viel Reserve wirklich nötig ist, haben wir für 451 Kombinationen ausgerechnet: Wie viel Reserve braucht ein Netzteil wirklich?

Neue Builds und Preisstürze — sonst nichts

Wir messen die Preise aus unseren Listen einmal am Tag bei Geizhals. Fällt einer unter alles, was wir bisher gemessen haben, schreiben wir dir — genauso, wenn eine neue Zusammenstellung fertig ist. Sonst hörst du nichts: kein Rundbrief nach Plan, keine Werbung Dritter, kein Weiterverkauf der Adresse.