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Hardware3 min Lesezeit

PC geht nicht an: Netzteil oder Mainboard?

Entscheidungsbaum von der Standby-Leuchtdiode über den Büroklammer-Test bis zur Diagnose

Der Rechner reagiert nicht mehr. Kein Lüfter, keine Leuchte, kein Piepsen. Zwei Bauteile kommen als Erstes in Frage, und sie kosten sehr unterschiedlich viel: das Netzteil oder das Mainboard.

Von außen sehen beide Fehler gleich aus. Trennen lassen sie sich trotzdem, und zwar in dieser Reihenfolge — jede Prüfung setzt voraus, dass die davor bestanden ist.

0. Das Banale zuerst

Kaltgerätekabel beidseitig fest? Der Kippschalter am Netzteil auf I und nicht auf 0? Steckdosenleiste eingeschaltet? Eine andere Steckdose probiert? Diese vier Fragen klingen albern und beantworten einen erheblichen Teil der Fälle. Wer sie überspringt, baut unter Umständen ein funktionierendes Netzteil aus.

1. Die Leuchtdiode auf dem Mainboard

Seitendeckel ab, Netzstecker drin, Rechner aus. Fast jedes Mainboard hat eine kleine Standby-Leuchtdiode, die leuchtet, sobald Spannung anliegt — oft grün, meist in der Nähe des 24-poligen Steckers oder am Chipsatz.

  • Sie leuchtet: Das Netzteil liefert zumindest die Standby-Spannung. Der Fehler liegt eher weiter vorne — weiter mit Schritt 2.
  • Sie leuchtet nicht: Es kommt gar keine Spannung an. Verdacht Netzteil, weiter mit Schritt 3.

2. Den Einschaltknopf überbrücken

Wenn Standby anliegt, aber nichts passiert, kann auch der Knopf am Gehäuse defekt sein oder sein Kabel abgerutscht. Auf dem Mainboard gibt es dafür zwei Kontaktstifte, beschriftet mit PWR_SW oder POWER SW. Die beiden bei eingeschaltetem Netzteil kurz mit einem Schraubenzieher berühren — das ist genau das, was der Knopf tut.

Springt der Rechner damit an, war es der Knopf oder sein Kabel, und beides ist billig.

3. Der Büroklammer-Test

Er beantwortet eine einzige Frage: Läuft das Netzteil überhaupt an?

Netzstecker ziehen. Den 24-poligen Stecker vom Mainboard abziehen. Eine aufgebogene Büroklammer in die Buchse des grünen Kabels und in die eines beliebigen schwarzen daneben stecken. Dann erst den Netzstecker wieder einstecken und den Schalter am Netzteil einschalten.

Der Netzteillüfter muss anlaufen. Tut er das nicht, ist das Netzteil defekt.

Vorsicht, und zwar aus einem konkreten Grund: Stecken und Ziehen immer stromlos. Im Netzteil sitzen Kondensatoren, die auch nach dem Ziehen noch geladen sind — das Gehäuse bleibt zu, immer. Wer sich damit nicht wohl fühlt, überspringt diesen Schritt und geht zu 4.

Was der Test NICHT beweist

Das ist der Punkt, an dem die meisten Anleitungen aufhören und an dem Diagnosen falsch werden: Ein anlaufender Lüfter heißt nur, dass das Netzteil einschaltet. Er sagt nichts darüber, ob es unter Last stabile Spannungen liefert.

Genau so sieht das häufigste Altersgebrechen aus: Das Gerät startet, der Rechner läuft — und bricht zusammen, sobald die Grafikkarte Leistung zieht. Der Büroklammer-Test besteht diesen Fall mit Bravour. Was sonst noch auf ein müdes Netzteil hindeutet, steht in Wie lange hält ein PC-Netzteil?

4. Auf das Nötigste zurückbauen

Läuft das Netzteil an, der Rechner aber nicht, wird ausgeräumt: alles ab bis auf Mainboard, Prozessor samt Kühler, einen Speicherriegel und das Netzteil. Grafikkarte raus, Laufwerke ab, Gehäusekabel bis auf den Einschalter ab.

Startet er so, steckst du die Teile einzeln wieder dazu, bis er wieder stehenbleibt — dann kennst du den Übeltäter. Startet er auch nackt nicht, bleiben Mainboard und Prozessor.

Zwei Kleinigkeiten, die in diesem Zustand oft die Ursache sind: der 8-polige Prozessorstecker oben am Board, den man beim Zusammenbau gern vergisst, und ein Speicherriegel im falschen Steckplatz. Mit einem einzelnen Riegel gehört der meist in den zweiten Platz vom Prozessor aus — im Handbuch steht, welcher es ist.

5. Die Codeanzeige lesen

Mainboards der gehobenen Klasse haben eine zweistellige Anzeige oder vier kleine Leuchtdioden mit den Beschriftungen CPU, DRAM, VGA und BOOT. Bleibt eine davon dauerhaft an, hast du die Antwort ohne weiteres Suchen — die Bedeutung der Codes steht im Handbuch des Boards.

Die kurze Fassung

BeobachtungVerdacht
Keine Standby-Leuchte, Lüfter läuft im Klammertest nichtNetzteil
Keine Standby-Leuchte, Lüfter läuft im KlammertestMainboard
Standby leuchtet, Überbrücken startetEinschaltknopf oder dessen Kabel
Standby leuchtet, nackt startet er trotzdem nichtMainboard oder Prozessor
Startet, stürzt aber unter Last abNetzteil, trotz bestandenem Klammertest

Steht am Ende ein neues Netzteil an, hilft der Netzteilrechner bei der Größe — und die Rechnung über 451 Kombinationen dabei, nicht zu viel zu kaufen.

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