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Reicht mein Netzteil für eine neue Grafikkarte?

Die Grafikkarte ist bestellt, das Netzteil steckt seit drei Jahren im Gehäuse. Muss es mit raus? Die Antwort in Foren lautet fast immer „sicher ist sicher, nimm 850 Watt". Das ist bequem und meistens falsch: Es kostet achtzig bis hundert Euro, die in der Grafikkarte besser aufgehoben wären.
Die Frage lässt sich rechnen. Wir haben es für den häufigsten Fall getan — ein System, das seit ein paar Jahren läuft und eine neue Karte bekommt.
mehr zieht dasselbe System nach dem Wechsel von einer RTX 4060 auf eine RTX 5080. Die gerechnete Systemlast steigt von 268 W auf 513 W — sie verdoppelt sich. Die Empfehlung wandert dabei von 450 auf 750 Watt, nicht auf 850.
Die Rechnung, offen hingelegt
Wir addieren die Herstellerangaben von Prozessor und Grafikkarte, schlagen die Nebenverbraucher dazu — zwei Speicherriegel, eine SSD, drei Gehäuselüfter, dazu eine Grundlast von 45 Watt für Board, USB und Controller — und legen 30 Prozent Aufschlag darauf. Aufgerundet wird auf die nächste gängige Netzteilgröße.
Beim Prozessor steht dabei die Lastangabe in der Rechnung, nicht die Nenn-TDP: bei AMD das PPT, bei Intel die Maximum Turbo Power. Ein Ryzen 5 5600 ist mit 65 Watt angegeben und zieht unter Last 88.
| Zusammenstellung | Systemlast | Ziel mit 30 % | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Ryzen 5 5600 · RTX 4060 | 268 W | 348 W | 450 W |
| Ryzen 5 5600 · RTX 5070 Ti | 453 W | 589 W | 650 W |
| Ryzen 5 5600 · RTX 5080 | 513 W | 667 W | 750 W |
| Ryzen 7 7800X3D · RTX 5080 | 587 W | 763 W | 850 W |
Die letzte Zeile ist die interessante: Wer gleichzeitig den Prozessor tauscht, landet eine Klasse höher. Ein Wechsel nur der Grafikkarte kommt mit 750 Watt aus — auch bei der größten Karte in dieser Aufstellung.

Wann das alte Netzteil bleiben darf
Sieh auf das Typenschild an der Seite des Netzteils. Steht dort eine Zahl, die über der Empfehlungsspalte liegt, ist die Sache erledigt. Liegt sie knapp darunter, lohnt der genaue Blick:
- 550 Watt bei 513 Watt Systemlast — rechnerisch reicht es, aber das Netzteil liefe dauerhaft bei 93 Prozent seiner Nennleistung. Dort sind Wirkungsgrad und Lüfterdrehzahl am schlechtesten.
- Zwölf Jahre altes Netzteil — Kondensatoren altern, und die Angabe auf dem Schild galt im Neuzustand. Bei einem Netzteil jenseits der acht Jahre ist der Tausch auch ohne Rechnung fällig.
- Kein 12V-2×6-Anschluss — die aktuellen Karten wollen ihn. Ein Adapter aus dem Karton funktioniert, ist aber die Stelle, an der bei schlechtem Sitz die Wärme entsteht. Netzteile mit nativem Stecker und 600 Watt darauf, etwa das Corsair RM750e oder das MSI MAG A850GL, brauchen keinen.
Aufschlag zwischen 10 und 50 Prozent einstellbar, die Aufschlüsselung steht offen daneben, gerundet auf gängige Größen von 450 bis 1500 Watt.
Was diese Zahlen nicht sind
Sie sind gerechnet, nicht gemessen. Grundlage sind die Lastangaben der Hersteller — PPT beziehungsweise Maximum Turbo Power beim Prozessor, Referenz-TGP bei der Karte; die beschreiben die Dauerlast, nicht die Spitzen. Moderne Grafikkarten ziehen für Millisekunden deutlich mehr, und genau daran scheitert ein knapp bemessenes Netzteil — nicht am Durchschnitt. Ist das Netzteil älter als ATX 3.0, deckt der 30-Prozent-Aufschlag diese Spitzen nicht ab: Ab dieser Norm muss ein Gerät sie abkönnen, davor nicht. Der Rechner fragt deshalb nach dem Baujahr.
Der Aufschlag von 30 Prozent ist dafür da. Er ist kein Puffer gegen Fehlkauf, sondern die Reserve für diese Spitzen und für den besten Wirkungsgradbereich, der bei etwa 50 bis 60 Prozent Auslastung liegt. Warum genau 30 und nicht 50 Prozent, steht in Wie viel Reserve braucht ein Netzteil wirklich? — dort sind 451 Zusammenstellungen durchgerechnet.
Kurz zusammengefasst
Der Sprung von einer Mittelklassekarte auf das aktuelle Spitzenmodell verdoppelt die Systemlast und hebt die Netzteilempfehlung um zwei Klassen — von 450 auf 750 Watt. Wer ein 750er oder größer im Gehäuse hat, kann die Karte einbauen und das Netzteil vergessen. Wer bei 650 Watt steht, liegt rechnerisch knapp darunter; bei 550 Watt reicht es nicht mehr, und dann ist es keine Frage des Arbeitspunkts mehr, sondern der Rechnung.
Für die einzelne Karte steht die Empfehlung auch im Netzteil-Verzeichnis, nach Grafikkarte aufgeschlüsselt.