HardwareVon Stefan Haun9 min Lesezeit
Ein oder zwei RAM-Riegel zum Spielen? Single vs. Dual Channel bei DDR5 in Zahlen

Kurz gesagt: Zwei Riegel sind beim Spielen schneller – im Schnitt um rund 10 bis 12 Prozent bei Prozessoren ohne großen Zusatz-Cache wie dem Ryzen 5 9600X, in einzelnen Spielen um 20 Prozent und mehr. Unspielbar wird mit einem Riegel aber nichts: Keiner der Tests, die wir gelesen haben, fand ein Spiel, das mit einem einzelnen DDR5-Riegel ins Ruckeln kippt. Bei X3D-Prozessoren mit großem Cache schrumpft der Abstand auf etwa 3 bis 5 Prozent.
Wer schon einen 16-GB-Riegel hat und regelmäßig spielt, holt mit einem zweiten, baugleichen Riegel mehr Bildrate pro Euro heraus als mit fast jedem anderen Upgrade. Wer neu kauft, nimmt gleich ein Kit aus zwei Riegeln.
Die Frage taucht fast immer gleich auf: Der Rechner läuft mit einem einzelnen Speicherriegel, weil das Budget knapp war oder der Fertig-PC so geliefert wurde – und jetzt geht es darum, ob sich ein zweiter lohnt. In unserem Ratgeber zu RAM-Slots und Dual Channel steht, was Dual Channel technisch ist und in welche Steckplätze die Riegel gehören. Dort steht auch, dass die Mainboard-Hersteller selbst keine Zahlen dazu veröffentlichen, was es in Spielen bringt. Diese Seite holt das nach: mit den Messungen unabhängiger Testredaktionen, mit Datum und Testaufbau.
Bilder pro Sekunde verlor ein Ryzen 5 9600X im Test von ComputerBase (02.02.2026) mit einem 16-GB-Riegel statt zwei, im Schnitt über zehn Spiele. Die Bandbreite im Speichertest sank von 64 auf 43 GB/s.
Was die Tests messen: ein Riegel gegen zwei

Alle drei Redaktionen haben dasselbe gemacht: einen Rechner einmal mit zwei 16-GB-Riegeln und einmal mit nur einem davon betrieben, sonst nichts geändert, und dann Spiele gemessen. Damit die Grafikkarte nicht bremst und der Unterschied beim Speicher sichtbar wird, steckte überall eine RTX 5090 im Rechner.
| Test | Prozessor | Speicher | Auflösung | Verlust mit 1 Riegel |
|---|---|---|---|---|
| ComputerBase, 02.02.2026 | Ryzen 5 9600X | DDR5-5600 CL26 | 720p | −11 % FPS, −12 % Frametimes |
| TechSpot, 12.12.2025 | Ryzen 7 9700X | DDR5-6000 CL30 | 1080p | −12 % FPS, −16 % 1-%-Lows |
| Tom's Hardware, 31.07.2026 | Ryzen 5 7600X | DDR5-6000 | 1080p | −10,9 % |
| Tom's Hardware, 31.07.2026 | Core Ultra 7 270K Plus | DDR5-7200 | 1080p | −8,7 % |
| Tom's Hardware, 31.07.2026 | Core i5-14600K | DDR5-7200 | 1080p | −8,3 % |
| Tom's Hardware, 31.07.2026 | Ryzen 7 9800X3D | DDR5-6000 | 1080p | −2,8 % |
Mittelwerte über 10 (ComputerBase) bzw. 13 Spiele (TechSpot, Tom's Hardware), jeweils 2 × 16 GB gegen 1 × 16 GB, Grafikkarte jeweils RTX 5090. Die Werte stammen aus drei verschiedenen Testreihen und sind untereinander nur grob vergleichbar.
Das Bild ist bemerkenswert einheitlich: Prozessoren ohne großen Zusatz-Cache verlieren rund ein Zehntel, egal ob AMD oder Intel. Die X3D-Modelle mit ihrem großen L3-Cache müssen seltener auf den Arbeitsspeicher zugreifen und verlieren deshalb kaum etwas. ComputerBase hat das auch mit einem Ryzen 7 9850X3D nachgemessen und kommt auf 5 Prozent im Schnitt (28.01.2026).
Ryzen 5 9600X: welche Spiele am meisten verlieren
Der Ryzen 5 9600X ist der Prozessor, der in vielen aktuellen Gaming-PCs steckt – auch in unseren RAM-Empfehlungen für den 9600X. ComputerBase hat ihn mit einem und mit zwei Riegeln DDR5-5600 gemessen. Die Spanne zwischen den Spielen ist groß:
| Spiel | Bildrate mit 1 Riegel (2 Riegel = 100 %) |
|---|---|
| Avowed | 81 % |
| Marvel's Spider-Man 2 | 81 % |
| Baldur's Gate 3 | 90 % |
| Cyberpunk 2077 | 97 % |
| Mittel über zehn Spiele | 89 % |
Quelle: ComputerBase, 02.02.2026, 720p, RTX 5090, 2 × bzw. 1 × 16 GB DDR5-5600 CL26. Auswahl aus zehn Spielen.
Das Urteil der Redaktion fällt trotzdem gelassen aus: „Zur Ruckelorgie werden Titel auch auf dem Ryzen 5 9600X im Single-Channel-Betrieb aber nicht.“ Gemessen wurde in 720p, also mit Absicht dort, wo der Prozessor und nicht die Grafikkarte die Bildrate begrenzt. Bei den Frametimes fand ComputerBase im schlechtesten Fall bis zu 24 Prozent Verlust. In höheren Auflösungen wird der Abstand kleiner, verschwindet aber nicht – dazu gleich mehr.
Warum ein einzelner DDR5-Riegel nicht so schlimm ist wie früher
Bei DDR4 hieß ein einzelner Riegel: ein 64 Bit breiter Kanal statt zwei. DDR5 teilt jeden Riegel intern in zwei unabhängige 32-Bit-Unterkanäle. Tom's Hardware nennt das „pseudo-dual-channel memory on a single DIMM“: Ein einzelner Riegel kann zwei Speicherzugriffe gleichzeitig bedienen. Das erklärt, warum der Verlust bei DDR5 bei rund einem Zehntel liegt und nicht darüber.
Den echten Dual-Channel-Betrieb ersetzt das aber nicht. Mit zwei Riegeln sind es vier gleichzeitige Zugriffe statt zwei, und die Bandbreite steigt entsprechend – im Test von ComputerBase von 43 auf 64 GB/s. Spiele, die viele Daten zwischen Prozessor und Speicher hin- und herschieben, merken das.
Wann der zweite Riegel am meisten bringt
- Bei hohen Bildraten in schnellen Spielen. Im Test von TechSpot (Ryzen 7 9700X, 1080p, mittlere Details) war Marvel Rivals mit zwei Riegeln um 51 Prozent schneller – der größte Ausreißer aller Tests. In Battlefield 6 waren es rund 12 Prozent.
- Bei den Einbrüchen, nicht nur beim Mittelwert. TechSpot maß über 13 Spiele 12 Prozent weniger durchschnittliche Bildrate, aber 16 Prozent schlechtere 1-%-Lows. Die seltenen langsamen Bilder sind das, was man als Ruckler spürt.
- Weniger bei hoher Auflösung, aber nicht null. In Baldur's Gate 3 lag der Abstand bei TechSpot in 1080p und 1440p bei bis zu 10 Prozent, in 4K sogar bei bis zu 23 Prozent. Mit einer Mittelklasse-Grafikkarte statt einer RTX 5090 dürfte er in vielen Spielen kleiner ausfallen, weil dann öfter die Grafikkarte bremst – gemessen hat das keiner der Tests.
- Kaum bei X3D-Prozessoren. Ryzen 7 9800X3D: −2,8 Prozent bei Tom's Hardware.
Ohne eigene Grafikkarte zählt es doppelt. Wer auf der integrierten Grafik eines Ryzen 8000G oder eines Notebooks spielt, braucht zwei Riegel. Tom's Hardware schreibt knapp: „dual-channel memory is vital if you're using an iGPU“. Eine integrierte Grafik hat keinen eigenen Videospeicher und teilt sich die Bandbreite mit dem Prozessor. Bei Intels Iris-Xe-Grafik ist es sogar eine harte Grenze – mit einem Riegel läuft sie nur als die einfachere UHD Graphics; das steht ausführlich im Dual-Channel-Ratgeber.
Zweiten Riegel nachkaufen oder gleich ein Kit?

Die Speicherhersteller raten offiziell davon ab, Riegel aus verschiedenen Packungen zu kombinieren – auch baugleiche. G.Skill schreibt: „We do not recommend mixing memory kits, regardless of brand or model“, und nennt als mögliche Folgen, dass der Rechner nicht startet oder der Speicher nicht mit seinem angegebenen Takt läuft. Corsair rät „strongly“ davon ab und warnt, dass sich das EXPO- oder XMP-Profil dann womöglich nicht aktivieren lässt. Der Grund: Geprüft wird jedes Kit nur als Ganzes.
Das heißt nicht, dass ein zweiter Riegel nicht funktioniert – nur, dass es niemand garantiert. Wenn du nachkaufst:
- Exakt dasselbe Modell. Die Modellnummer steht auf dem
Aufkleber des Riegels oder unter Windows in CPU-Z (Reiter „SPD“), unter
Linux mit
sudo dmidecode -t memoryin der Zeile „Part Number“. - Richtig einsetzen. Bei vier Steckplätzen gehören zwei Riegel fast immer in A2 und B2, also den zweiten und vierten Platz vom Prozessor aus – nicht direkt nebeneinander. Die Tabellen aus den Handbüchern stehen im Slot-Ratgeber.
- Danach prüfen. Im BIOS muss die volle Größe erscheinen und das EXPO- oder XMP-Profil aktivierbar sein. Startet der Rechner mit Profil nicht stabil, läuft er ohne Profil mit dem Standardtakt – langsamer, aber immer noch im Dual Channel.
2 × 8 GB statt 1 × 16 GB? Für einen neuen Rechner keine gute Idee, und praktisch auch kaum möglich: ComputerBase fand unter knapp 1.200 Angeboten für DDR5 ab 5.600 MT/s „nicht einmal 50 mit 8-GByte-Modulen“. Wer neu kauft, nimmt 2 × 16 GB – wie viel du wirklich brauchst, steht unter Wie viel RAM für Gaming?, passende Kits in unserer DDR5-Bestenliste.
Und der Preis? DDR5 ist 2026 so teuer wie lange nicht. Ein zweiter 16-GB-Riegel ist deshalb kein Kleingeld mehr – aber er ist das günstigere der beiden Upgrades, weil der vorhandene Riegel weiterläuft. Wie sich die Preise gerade bewegen, zeigt unsere tägliche Messung unter DDR5-RAM Preisentwicklung; warum es so teuer ist und wann es wieder günstiger wird, steht unter Wann wird RAM wieder günstiger?
Fazit: Lohnt sich der zweite Riegel?

- Du spielst regelmäßig und hast einen Ryzen 5/7 ohne X3D oder einen Intel Core: Ja. Rund 10 Prozent mehr Bildrate im Schnitt, deutlich mehr in einzelnen Spielen, dazu bessere 1-%-Lows.
- Du spielst auf der integrierten Grafik: Unbedingt.
- Du hast einen X3D-Prozessor: Kann warten. 3 bis 5 Prozent sind messbar, aber selten spürbar.
- Du nutzt den Rechner hauptsächlich zum Arbeiten: Eher nicht. ComputerBase maß in Anwendungen mit dem 9600X 4 Prozent Unterschied – solange 16 GB nicht voll werden, merkst du das im Alltag kaum.
Häufige Fragen
Ist ein RAM-Riegel schlecht zum Spielen?
Wie viel FPS bringt Dual Channel?
Kann ich einfach einen zweiten RAM-Riegel dazukaufen?
Ist DDR5 mit einem Riegel nicht schon Dual Channel?
Besser 1 × 16 GB oder 2 × 8 GB DDR5?
Quellen
- ComputerBase, „RAM ist zu teuer? Ein Modul tut es bei Ryzen 9000X auch!?“, 02.02.2026 (computerbase.de), und „… bei Ryzen 9000X3D auch!?“, 28.01.2026 (computerbase.de).
- Tom's Hardware, Jake Roach, Single-DIMM-DDR5-Test, 31.07.2026 (tomshardware.com).
- TechSpot (Hardware Unboxed), Steven Walton, Single Stick vs. Dual-Channel RAM, 12.12.2025 (techspot.com).
- G.Skill, FAQ zu DRAM-Speicher (gskill.com); Corsair, „Can I mix Corsair memory kits?“ (corsair.com). Die englischen Zitate stehen im Original.
Alle Quellen abgerufen am 2. Oktober 2026. Eigene Messungen zu dieser Frage haben wir noch nicht; womit wir arbeiten und womit nicht, steht in Wie wir testen.