HardwareVon Stefan Haun8 min Lesezeit
SSD testen: Gesundheit, Geschwindigkeit und Restlebensdauer prüfen

Eine SSD testest du mit zwei kostenlosen Programmen: CrystalDiskInfo zeigt den Zustand aus den SMART-Daten, CrystalDiskMark misst die Geschwindigkeit. Beim Zustand zählen bei NVMe-SSDs drei Werte: der verbrauchte Anteil der Lebensdauer („Percentage Used“), die verbleibende Reserve („Available Spare“) und die Temperatur. Steht die Reserve unter ihrer Schwelle oder meldet die SSD eine kritische Warnung, ist es Zeit für ein Backup und einen Tausch.
Dieser Guide zeigt, wo du die Werte findest, wie du sie liest, was die Herstellerprogramme zusätzlich können, warum eine SSD langsamer sein kann als auf der Packung und wann ein Tausch fällig ist.
Restlebensdauer: Ab diesem Wert schaltet CrystalDiskInfo bei den meisten SSDs von „Gut“ auf „Vorsicht“. „Schlecht“ zeigt es, wenn ein vom Hersteller festgelegter Schwellenwert unterschritten ist.
Zustand prüfen: CrystalDiskInfo, Windows und Hersteller-Tools
CrystalDiskInfo vom Entwickler hiyohiyo liest die SMART-Daten von Festplatten und SSDs aus, auch von NVMe-Laufwerken; dafür braucht es laut Projektseite mindestens Windows 10. Nach dem Start siehst du oben den Gesundheitszustand als Farbe: Blau für „Gut“, Gelb für „Vorsicht“, Rot für „Schlecht“, Grau für „Unbekannt“. Darunter stehen Temperatur, Betriebsstunden und die Liste der SMART-Werte. Die „Shizuku“- und „Aoi“-Editionen sind dasselbe Programm mit anderer Optik.
Windows überwacht NVMe-SSDs seit Windows 10 selbst. Bei einer Auffälligkeit erscheint eine Benachrichtigung; Details stehen unter Einstellungen → System → Speicher → Datenträger und Volumes verwalten → Eigenschaften, in Windows 11 unter „Erweiterte Speichereinstellungen“. Microsoft empfiehlt, nach so einer Meldung sofort ein Backup zu machen.
Die Programme der Hersteller zeigen dieselben Daten, aber nur für die eigenen Laufwerke, und spielen zusätzlich Firmware-Updates ein:
| Hersteller | Programm | was es zum Zustand zeigt |
|---|---|---|
| Samsung | Samsung Magician | Drive Health, SMART-Diagnose, Benchmark, Firmware; Zustand und Firmware nur bei Samsung-SSDs |
| WD / SanDisk | SanDisk Dashboard (früher WD Dashboard) | Zustand „Normal“ oder „Poor“; „Poor“ heißt laut Handbuch: Reserveblöcke am Minimum oder SSD überhitzt |
| Crucial | Storage Executive | SMART-Übersicht, Temperatur, geschriebene Datenmenge, Firmware |
| Kingston | Kingston SSD Manager | Zustand, Status, Belegung, Berichte, Firmware; aktuelle Version für Windows 10 und 11 (64 Bit) |
Für eine fremde oder gemischte Ausstattung ist CrystalDiskInfo die einfachste Wahl. Das Herstellerprogramm brauchst du vor allem für Firmware-Updates. Wird die SSD gar nicht angezeigt, liegt das Problem woanders – die Suche beschreibt SSD wird nicht erkannt.
Die drei Werte, die zählen
NVMe-SSDs melden ihren Zustand in einem genormten SMART-Protokoll. Microsoft dokumentiert die Felder in der Windows-Schnittstelle für NVMe; CrystalDiskInfo zeigt sie unter ihren englischen Namen.
| Wert | was er bedeutet | wann es kritisch wird |
|---|---|---|
| Percentage Used | Schätzung des Herstellers, wie viel Prozent der Lebensdauer verbraucht sind, aus tatsächlicher Nutzung und erwarteter Haltbarkeit | 100 heißt: die geschätzte Haltbarkeit ist erreicht – nicht unbedingt, dass die SSD ausfällt. Der Wert darf über 100 steigen. |
| Available Spare | verbleibende Reservekapazität in Prozent (0 bis 100); daneben steht die Schwelle „Available Spare Threshold“ | Fällt die Reserve unter die Schwelle, setzt die SSD eine kritische Warnung. |
| Temperature | Gesamttemperatur von Controller und Speicher | Über der Warnschwelle des Herstellers; die SSD meldet dann ebenfalls eine kritische Warnung. |
Feldbeschreibungen laut Microsoft-Dokumentation zur NVMe-Schnittstelle (NVME_HEALTH_INFO_LOG).
Daneben lohnt ein Blick auf zwei weitere Zeilen: Critical Warning sollte 0 sein. Gesetzte Bits stehen laut Microsoft unter anderem für zu wenig Reserve, Temperatur außerhalb der Grenzen, verschlechterte Zuverlässigkeit „durch erhebliche Medienfehler“ oder einen Wechsel in den Nur-Lese-Modus. Media and Data Integrity Errors zählt Datenfehler, die der Controller nicht mehr korrigieren konnte – auch dieser Wert sollte 0 bleiben.
Welche Temperatur ist zu hoch?
Eine allgemeine Grenze gibt es nicht; sie steht im Datenblatt. Samsung nennt für die 990 PRO einen Betriebsbereich von 0 bis 70 °C, gemessen über die SMART-Temperatur, WD für die WD_BLACK SN850X 0 bis 85 °C, wie von der SSD gemeldet. WD weist darauf hin, dass dieser Wert im eingebauten Zustand höher liegt als die Umgebungstemperatur. Liegt deine SSD unter Last dauerhaft am oberen Ende ihres Bereichs, bremst sie im Zweifel ab (siehe unten).
Restlebensdauer und TBW
Die Hersteller geben die Haltbarkeit in TBW an, Terabytes Written: so viele Daten darf man innerhalb der Garantie auf die SSD schreiben. Samsung und WD begrenzen die Garantie auf die Garantiezeit oder die TBW, je nachdem, was zuerst erreicht ist. Einige Beispiele:
| SSD (1 TB) | TBW | Garantie |
|---|---|---|
| Samsung 990 PRO | 600 TB | 5 Jahre (oder bis Erreichen der TBW) |
| WD_BLACK SN850X | 600 TB | 5 Jahre |
| Kingston NV3 | 320 TB | 3 Jahre |
| Crucial P310 | 220 TB | 5 Jahre (oder bis Erreichen der TBW) |
Technische Daten: Geizhals, Stand 5. Oktober 2026.
Wie viel bereits geschrieben wurde, zeigt CrystalDiskInfo im Kopfbereich als Host-Schreibvorgänge und in der SMART-Liste als „Data Units Written“. Laut Microsoft zählt dieses Feld in Einheiten von 1.000 × 512 Byte; ein Wert von 1 entspricht also 512.000 Byte. Teilst du die geschriebene Menge durch die TBW, hast du eine zweite, nachvollziehbare Schätzung neben „Percentage Used“.
Geschwindigkeit messen: CrystalDiskMark richtig lesen
CrystalDiskMark ist kostenlos (MIT-Lizenz) und misst standardmäßig mit einer Testdatei von 1 GiB, die fünfmal geschrieben und gelesen wird. Die vier Zeilen bedeuten laut Dokumentation:
- SEQ1M Q8T1: sequenziell, Blöcke von 1 MiB, Warteschlange 8, ein Thread. Diese Zeile kommt den „bis zu … MB/s“ der Hersteller am nächsten.
- SEQ1M Q1T1: sequenziell mit nur einem Auftrag gleichzeitig.
- RND4K Q32T1: zufällige Zugriffe in 4-KiB-Blöcken bei voller Warteschlange.
- RND4K Q1T1: zufällige 4-KiB-Zugriffe, einer nach dem anderen.
Für den Vergleich mit dem Datenblatt nimmst du die erste Zeile. Samsung gibt für die 990 PRO bis zu 7.450 MB/s lesend und 6.900 MB/s schreibend an, gemessen allerdings mit IOmeter, als Zweitlaufwerk in einem lüftergekühlten Desktop und beim Schreiben mit aktivem Schreibcache. Etwas weniger im eigenen Rechner ist deshalb noch kein Defekt. Der Entwickler weist außerdem darauf hin, dass CrystalDiskMark die Lebensdauer von SSDs verkürzen kann – zum Prüfen also einmal laufen lassen, nicht täglich. Was die gemessenen Werte in Spielen tatsächlich ausmachen, steht in SSD-Geschwindigkeit beim Gaming.
SSD langsamer als angegeben: die Ursachen
- Falscher Steckplatz. Eine PCIe-4.0-SSD läuft auch in einem M.2-Platz mit PCIe 3.0, aber langsamer. Crucial rät, die SSD in den schnellsten verfügbaren Platz zu setzen. Welcher das ist, steht im Handbuch des Mainboards.
- Geteilte Leitungen. Manche M.2-Plätze werden langsamer oder abgeschaltet, wenn Grafikkarte oder weitere SSDs in bestimmten Plätzen stecken – auch das nennt Crucial und verweist auf die Dokumentation des Systems.
- Veraltete Firmware oder Treiber. Crucial empfiehlt, die Firmware der SSD sowie BIOS und Chipsatztreiber aktuell zu halten. Die Firmware spielst du mit dem Herstellerprogramm aus der Tabelle oben ein.
- Zu volle SSD. Die interne Aufräumarbeit (Garbage Collection) braucht freien Platz. Crucial rät, mindestens 10 % frei zu lassen.
- Erschöpfter Schreibcache. Samsung schreibt im Datenblatt, dass der Schreibbeschleuniger Intelligent TurboWrite nur bis zu einer bestimmten Datenmenge wirkt. Große Kopiervorgänge können darüber hinaus deutlich langsamer schreiben als der Spitzenwert.
- Hitze. WD bietet die SN850X mit Kühlkörper an, der helfen soll, die Spitzenleistung zu halten. Steigt die Temperatur während des Benchmarks bis an die Grenze des Datenblatts, ist ein Kühlkörper oder mehr Luftstrom die Lösung.
Und eine Festplatte (HDD)?
CrystalDiskInfo funktioniert auch mit Festplatten, achtet dort aber auf andere Werte. Es schaltet laut Entwickler auf „Vorsicht“, sobald bei den neu zugewiesenen Sektoren (0x05), den schwebenden Sektoren (0xC5) oder den nicht korrigierbaren Sektoren (0xC6) der Rohwert über der eingestellten Schwelle liegt. Steigen diese Werte weiter, gehören die Daten sofort gesichert.
Wann du tauschen solltest
- Sofort Backup und Tausch, wenn Critical Warning nicht 0 ist, Available Spare unter der Schwelle liegt, Windows oder das Herstellerprogramm warnt, die SSD in den Nur-Lese-Modus wechselt oder die Zahl der Medienfehler steigt.
- Tausch planen, wenn CrystalDiskInfo „Vorsicht“ zeigt, also 10 % Restlebensdauer oder weniger.
- Kein Grund zur Eile ist eine hohe Zahl bei „Percentage Used“ allein: 100 % heißt laut Microsoft nur, dass die geschätzte Haltbarkeit erreicht ist. Die Garantie kann dann aber schon enden, wenn sie an die TBW gebunden ist.
Beim Tausch musst du Windows nicht neu installieren: Wie du das System mit den Werkzeugen der Hersteller auf die neue SSD umziehst, steht in SSD klonen. Welche Modelle sich als Ersatz lohnen, vergleicht Beste M.2-SSDs. Achte dort neben dem Tempo auf TBW und Garantie – bei gleicher Größe liegen die Modelle in der Tabelle oben fast um den Faktor drei auseinander.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Gut (95 %)“ in CrystalDiskInfo?
Die Prozentzahl ist die geschätzte Restlebensdauer. Bei NVMe-SSDs leitet sie sich aus dem verbrauchten Anteil („Percentage Used“) ab. 95 % heißt also: Nach Schätzung des Herstellers sind etwa 5 % der Haltbarkeit verbraucht. Kritisch wird es laut CrystalDiskInfo erst ab 10 %.
Schadet ein Benchmark der SSD?
Gemessen an Hunderten Terabyte TBW fällt ein einzelner Durchlauf mit 1-GiB-Testdatei kaum ins Gewicht. Der Entwickler von CrystalDiskMark warnt aber, dass das Programm die Lebensdauer verkürzen kann. Ständiges Wiederholen bringt also nichts außer Abnutzung.
Woher die Angaben auf dieser Seite kommen
Wir haben für diesen Beitrag keine eigenen Messungen durchgeführt. Die Bedeutung der SMART-Werte stammt aus der Microsoft-Dokumentation zur NVMe-Schnittstelle, Schwellen und Testparameter von den Seiten des CrystalDiskInfo- und CrystalDiskMark-Entwicklers, Temperaturen und Leistungswerte aus den Datenblättern von Samsung und WD, die Ursachen langsamer SSDs von Crucial, TBW und Garantie als technische Daten von Geizhals, Stand 5. Oktober 2026.