HardwareVon Stefan Haun5 min Lesezeit
CPU-Stresstest: welches Programm, wie lange, welche Werte

Kurz gesagt: Für Temperatur und Takt lässt du Cinebench rund zehn Minuten im Mehrkern-Modus laufen, für Stabilität OCCT oder Prime95 mindestens eine Stunde, bei Übertaktung oder Undervolting länger. Daneben läuft HWiNFO und zeichnet Temperatur, Takt, Leistung und Drosselung auf. Normal ist, was unter der vom Hersteller genannten Höchsttemperatur bleibt — etwa 95 °C beim Ryzen 7 9700X und 100 °C beim Core i9-14900K. Online-Stresstests im Browser lasten die CPU nicht realistisch aus.
Einen Stresstest braucht man in drei Situationen: nach dem Zusammenbau eines neuen PCs, nach einer Änderung an Kühler, Wärmeleitpaste oder BIOS-Einstellungen, und wenn der PC in Spielen abstürzt oder neu startet. Je nach Anlass ist ein anderes Programm sinnvoll — wer nur die Kühlung prüfen will, braucht keinen stundenlangen Stabilitätstest.
Die kurze Antwort: welches Tool wofür
| Ziel | Programm | Dauer (Richtwert) |
|---|---|---|
| Kühlung prüfen, Takt unter Dauerlast | Cinebench (Mehrkern) | 10 Minuten |
| Stabilität nach Zusammenbau | OCCT (CPU) oder Prime95 | 1 Stunde |
| Übertaktung, Undervolting, RAM-Profil | OCCT, Prime95, y-cruncher abwechselnd | mehrere Stunden |
| Alles auslesen | HWiNFO | läuft immer mit |
Cinebench, OCCT, Prime95, y-cruncher im Vergleich
Cinebench
Cinebench von Maxon rendert eine Szene mit allen Kernen. Die Last ist gleichmäßig und realistisch — ähnlich wie beim Rendern oder Kompilieren —, deshalb eignet sich das Programm gut, um Kühlung und Dauertakt zu prüfen. Ein einzelner Durchlauf ist aber zu kurz, weil sich Kühler und Gehäuse erst nach einigen Minuten aufheizen. Maxon dokumentiert eine Startoption für eine Mindestdauer; einfacher ist es, den Test in der Oberfläche mehrfach hintereinander laufen zu lassen. Cinebench ist kein Stabilitätstest: Ein Rechenfehler fällt dort nicht auf, solange das Programm nicht abstürzt.
OCCT
OCCT ist ein kostenloses Test- und Überwachungsprogramm mit eigenen Tests für CPU, Grafikkarte, Arbeitsspeicher und Netzteil. Der CPU-Test prüft die Rechenergebnisse und meldet Fehler, bevor das System abstürzt — das macht ihn zum bequemsten Stabilitätstest für die meisten.
Prime95
Prime95 ist eigentlich ein Programm zur Suche nach Primzahlen und laut seinen Entwicklern seit Jahren bei Übertaktern und PC-Bauern als Stresstest beliebt, weil es die Rechenwerke stark auslastet. Im Torture-Test wählst du die Art der Last:
- Small FFTs: maximale Hitze und Leistungsaufnahme der CPU — der härteste Test für Kühlung und Spannungsversorgung.
- Large FFTs: belastet zusätzlich Speichercontroller und Arbeitsspeicher.
- Blend: eine Mischung aus allem, gut als allgemeiner Stabilitätstest.
Prime95 mit AVX-Befehlen erzeugt eine Last, die in Spielen nie vorkommt. Wird die CPU dabei heißer als in Cinebench, ist das normal und kein Grund zur Sorge, solange sie unter ihrer Höchsttemperatur bleibt.
y-cruncher
y-cruncher berechnet Konstanten wie Pi auf viele Stellen und bringt eine eigene Stresstest-Funktion mit. Es findet Instabilitäten, die andere Tests übersehen, vor allem bei Speicherübertaktung und Undervolting. Für den normalen PC-Besitzer ist es eine Ergänzung, kein Muss.
So läuft der Test ab
- Alles andere schließen: Browser, Launcher, Updates. Hintergrundlast verfälscht Temperaturen und Ergebnisse.
- HWiNFO starten (hwinfo.com) im Modus „Sensors-only“. Die Spalten „Maximum“ und „Average“ zeigen später, was während des Tests passiert ist.
- Zwei Minuten im Leerlauf warten und die Leerlauftemperatur notieren.
- Cinebench Mehrkern rund zehn Minuten laufen lassen. Temperatur und Takt im Blick behalten.
- Stabilitätstest mit OCCT oder Prime95 starten, mindestens eine Stunde. Bei Fehlermeldung oder Absturz sofort abbrechen.
- Werte in HWiNFO ablesen (siehe unten) und mit den Grenzwerten vergleichen.
Welche Werte du ablesen musst
| Wert in HWiNFO | Was er sagt | Worauf achten |
|---|---|---|
| CPU-Temperatur (Tctl/Tdie bei AMD, Package bei Intel) | wie heiß die CPU wird | unter der Höchsttemperatur des Herstellers |
| Kerntakt (Effective Clock) | wie schnell die Kerne unter Last laufen | bleibt er über die Zeit stabil oder sinkt er stetig? |
| Package Power | Leistungsaufnahme | Vergleich vor und nach Änderungen |
| Thermal Throttling | ob die CPU wegen Hitze drosselt | sollte „No“ bleiben |
| WHEA-Fehler | korrigierte Hardwarefehler | müssen 0 bleiben |
Die Höchsttemperaturen laut Hersteller: AMD gibt für aktuelle Ryzen wie den Ryzen 7 9700X eine maximale Betriebstemperatur (Tjmax) von 95 °C an, Intel für den Core i9-14900K 100 °C. Bei Ryzen 7000 und 9000 ist es normal, dass die CPU unter Volllast nahe an diese Grenze geht: Sie taktet so hoch, wie Kühlung und Temperatur erlauben. Ein Problem ist erst, wenn der Takt deutlich einbricht oder schon im Spiel dauerhaft die Grenze erreicht wird.
WHEA-Fehler sind ein frühes Warnsignal: Die CPU hat einen Rechenfehler erkannt und korrigiert. Auch wenn nichts abstürzt, ist das System dann nicht stabil — typisch bei zu starkem Undervolting oder einem zu scharfen RAM-Profil.
Warum Online-Stresstests nichts taugen
Ein Test im Browser läuft in einer Sandbox, die der Browser bewusst begrenzt: Er verteilt die Last selten gleichmäßig auf alle Kerne, nutzt keine speziellen Befehlssätze wie AVX und kann keine Sensoren auslesen. Er erzeugt also weder die Last eines echten Programms noch zeigt er dir Temperaturen oder Fehler. Für eine Aussage über Kühlung oder Stabilität taugt er nicht.
Wenn der PC beim Test abstürzt
- BIOS-Einstellungen zurücknehmen: Übertaktung, Undervolting, Curve Optimizer und PBO auf Standard. Läuft der Test dann, war die Einstellung zu scharf. Wie du Spannung sicher senkst, steht in Undervolting bei Grafikkarte und CPU.
- RAM-Profil prüfen: Ein aktives XMP- oder EXPO-Profil ist eine Übertaktung des Speichers. Testweise ausschalten; läuft es danach stabil, liegt es am Speicher. Hintergründe in XMP und EXPO aktivieren.
- BIOS aktualisieren: Besonders bei Intel Core der 13. und 14. Generation, für die Intel Microcode-Updates gegen Instabilitäten veröffentlicht hat.
- Temperatur prüfen: Erreicht die CPU sofort ihre Grenze, sitzt der Kühler schlecht, die Folie klebt noch am Kühlerboden oder die Paste fehlt.
- Netzteil in Verdacht ziehen: Schaltet der PC unter Last schlagartig ab, ohne Bluescreen, kann das Netzteil überfordert sein — vor allem, wenn gleichzeitig die Grafikkarte belastet wird.
Für die Grafikkarte gibt es eigene Programme; welche, steht in Die besten Benchmark-Tools für Grafikkarten. Wer nach dem Test feststellt, dass der Prozessor das eigentliche Limit ist, findet die aktuellen Empfehlungen mit Tagespreisen in Die beste Gaming-CPU.