HardwareVon Stefan Haun6 min Lesezeit
SSD-Lebensdauer: wie lange hält eine SSD wirklich?

Eine aktuelle SSD hält bei normaler Nutzung deutlich länger, als man den PC behält: Die Schreibgrenze im Datenblatt (TBW) reicht bei einer guten 1-TB-SSD für 600 Terabyte — das sind fünf Jahre lang jeden Tag rund 330 Gigabyte. Ein Spiele-PC schreibt im Alltag einen Bruchteil davon. Wenn eine SSD vorzeitig stirbt, dann meist nicht an Abnutzung, sondern an einem plötzlichen Defekt, etwa von Controller oder Firmware. Deshalb schützt ein Backup deine Daten besser als jede TBW-Zahl.
Wie viel du selbst schreibst, kannst du in zwei Minuten nachsehen; dann lässt sich die Lebensdauer deiner SSD ausrechnen statt schätzen. Wie, steht unten.
der SSDs fielen beim Cloud-Anbieter Backblaze im Schnitt pro Jahr aus — gemessen an 3.144 Boot-SSDs von Ende 2018 bis Mitte 2023 (Backblaze Drive Stats). Selten, aber nicht null: Bei rund einer von hundert SSDs pro Jahr ist ein Backup der einzige Schutz.
Kurze Antwort mit Rechnung
Die Formel ist einfach: Lebensdauer in Jahren = TBW ÷ geschriebene Terabyte pro Jahr. Drei Beispiele für eine 1-TB-SSD mit 600 TBW, wie sie Samsung 990 Pro und WD Black SN850X haben:
| Du schreibst pro Jahr … | TBW reicht rechnerisch für |
|---|---|
| 10 TB | 60 Jahre |
| 30 TB | 20 Jahre |
| 120 TB (rund 330 GB jeden Tag) | 5 Jahre |
Die ersten beiden Zeilen sind Rechenbeispiele, keine gemessenen Durchschnittswerte — wie viel du wirklich schreibst, zeigt der Abschnitt Nachsehen. Die dritte Zeile ist die Schreibmenge, die nötig wäre, um die TBW innerhalb der fünfjährigen Garantie zu erreichen. Wer jeden Tag ein großes Spiel neu installiert, Videos schneidet und Rohmaterial auf dieselbe SSD schreibt, kommt in diese Richtung; wer spielt, surft und gelegentlich ein Spiel installiert, nicht.
TBW, DWPD und Garantie erklärt
- TBW (Terabytes Written) ist die Datenmenge, die der Hersteller über die Garantiezeit zusagt. Sie ist eine Garantiegrenze, kein Ablaufdatum: Viele SSDs schreiben danach weiter, der Hersteller verspricht es nur nicht mehr.
- DWPD (Drive Writes Per Day) sagt dasselbe anders: wie oft am Tag die volle Kapazität über die Garantiezeit beschrieben werden darf. 600 TBW bei 1 TB und fünf Jahren sind rund 0,33 DWPD.
- Garantie: Bei vielen Herstellern endet sie nach Jahren oder beim Erreichen der TBW, je nachdem, was zuerst eintritt. Bei Samsung, Crucial und Kioxia steht das so im Datenblatt.
Die Werte gängiger SSDs mit 1 TB
| SSD (1 TB) | Speicher | TBW | Garantie |
|---|---|---|---|
| Samsung 990 Pro | TLC | 600 TB | 5 Jahre oder bis TBW |
| WD Black SN850X | TLC | 600 TB | 5 Jahre |
| Samsung 990 EVO Plus | TLC | 600 TB | 5 Jahre oder bis TBW |
| WD Blue SN5100 | QLC | 600 TB | 5 Jahre |
| Kioxia Exceria Basic | QLC | 300 TB | 5 Jahre oder bis TBW |
| Kingston NV3 | nicht festgelegt | 320 TB | 3 Jahre |
| Crucial P310 | QLC | 220 TB | 5 Jahre oder bis TBW |
| WD Green SN3000 | QLC | 150 TB | 3 Jahre |
| Crucial E100 | QLC | 80 TB | 3 Jahre oder bis TBW |
Technische Daten: Geizhals, Stand 02.10.2026. Beim Kingston NV3 vermerkt Geizhals, dass das Modell mit QLC- und mit TLC-Speicher im Umlauf ist.
Die Spanne ist groß: Die günstigste SSD in der Liste sagt ein Siebtel dessen zu, was die teuren Modelle zusagen. Selbst 80 TBW sind bei 10 TB pro Jahr aber noch acht Jahre. Für die meisten Spieler entscheidet die TBW deshalb nicht über die Wahl der SSD, die Garantiedauer schon eher.
Und: Mehr Kapazität heißt mehr TBW. Die 2-TB-Fassungen von 990 Pro, 990 EVO Plus und SN850X haben laut denselben Datenblättern 1.200 TBW, also das Doppelte. Ob sich die größere SSD lohnt, steht in SSD 1 TB oder 2 TB.
Wie viel schreibst du wirklich? (nachsehen)
Jede SSD zählt mit, wie viele Daten auf sie geschrieben wurden. Auslesen geht so:
- Windows: Das kostenlose CrystalDiskInfo zeigt bei jeder SSD „Gesamte Host-Schreibvorgänge" in GB oder TB, dazu die Betriebsstunden und einen Gesundheitswert in Prozent.
- Hersteller-Programme: Samsung Magician, WD Dashboard, Crucial Storage Executive und Kingston SSD Manager zeigen dieselben Werte für ihre eigenen Laufwerke.
- Linux:
sudo smartctl -a /dev/nvme0aus den smartmontools; die Zeile „Data Units Written" nennt die Menge, in Klammern bereits in TB umgerechnet.
So rechnest du: Geschriebene TB geteilt durch das Alter der SSD in Jahren ergibt deine Schreibmenge pro Jahr. Die TBW aus dem Datenblatt geteilt durch diesen Wert ergibt die rechnerische Lebensdauer. Bei NVMe-SSDs gibt es zusätzlich den Wert „Percentage Used" (bei CrystalDiskInfo als Gesundheitszustand in Prozent): Das ist die Schätzung des Herstellers, wie viel der vorgesehenen Abnutzung schon verbraucht ist.
QLC vs. TLC: was den Unterschied macht
TLC-Speicher speichert drei Bit pro Zelle, QLC vier. Mehr Bit pro Zelle heißt mehr Kapazität für dasselbe Geld, aber jede Zelle verträgt weniger Schreibvorgänge und die Schreibgeschwindigkeit fällt stärker ab, sobald der schnelle Zwischenspeicher der SSD voll ist. Deshalb haben viele QLC-SSDs niedrigere TBW-Werte, etwa die Crucial E100 mit 80 TB.
Die Tabelle zeigt aber auch: Das ist keine feste Regel. Die WD Blue SN5100 mit QLC-Speicher hat laut Datenblatt dieselben 600 TBW wie die TLC-Spitzenmodelle. Ausschlaggebend ist, was der Hersteller zusagt — nicht die Speicherart allein. Wer große Dateien kopiert oder Videos schneidet, merkt QLC eher an der Schreibgeschwindigkeit als an der Lebensdauer.
Woran eine sterbende SSD zu erkennen ist
Interessant ist hier eine große Studie mit Flash-Laufwerken aus Googles Rechenzentren: Die Fehlerrate der Flash-Zellen steigt mit der Abnutzung „at a much slower rate … than the exponential rate commonly assumed", und diese Fehlerrate sagt nicht voraus, wann nicht korrigierbare Fehler auftreten. Übersetzt: Eine SSD kündigt ihren Tod nicht immer an. Warnzeichen gibt es trotzdem:
- Gesundheitswert sinkt deutlich oder die Reserve-Blöcke („Available Spare") nehmen ab.
- „Media and Data Integrity Errors" in den SMART-Werten steigen über null.
- Dateien lassen sich nicht mehr öffnen, Kopiervorgänge brechen ab, Windows meldet Lesefehler.
- Die SSD verschwindet zeitweise aus dem BIOS oder dem Explorer. Bevor du an einen Defekt denkst: SSD wird nicht erkannt geht die harmloseren Ursachen durch.
Zeigt sich eines davon, zuerst die wichtigsten Daten sichern, dann weiter untersuchen. Auf einen Austausch unter Garantie besteht oft Anspruch, solange Jahre und TBW nicht erreicht sind; die Daten ersetzt die Garantie nicht.
Backup statt Sorge
Die TBW-Zahl beruhigt, ein Backup schützt. Die einfache Regel: Alles, was du nicht wiederherstellen kannst — Fotos, Dokumente, Spielstände ohne Cloud —, liegt mindestens an einem zweiten Ort. Spiele selbst gehören nicht dazu, die lädt der Launcher neu. Ob dafür eine zweite SSD oder eine Festplatte besser ist, steht in SSD oder HDD für Backups.
Wer ohnehin eine neue SSD sucht, achtet auf fünf Jahre Garantie und eine TBW, die zur eigenen Schreibmenge passt — beides erfüllen die Modelle in Die besten SSDs für Gaming. Wie sich die Preise gerade entwickeln, zeigt die SSD-Preisentwicklung.
Woher die Zahlen kommen
Wir haben keine SSDs auf Dauer beschrieben. TBW, Speicherart und Garantie stammen aus den Datenblättern bei Geizhals (Stand 02.10.2026), die Ausfallrate aus den Drive Stats von Backblaze, die Aussage zur Abnutzung aus der Studie „Flash Reliability in Production" (USENIX FAST 2016) — jeweils verlinkt. Die Lebensdauer-Rechnungen sind Beispiele mit runden Schreibmengen. Mehr dazu in Wie wir testen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange hält eine SSD?
Bei normaler Nutzung in der Regel länger als der PC. Eine 1-TB-SSD mit 600 TBW reicht bei 30 TB Schreibmenge pro Jahr rechnerisch 20 Jahre. Vorzeitige Ausfälle kommen meist durch Defekte, nicht durch Abnutzung — deshalb Backup.
Was passiert, wenn die TBW erreicht ist?
Meist nichts Sichtbares. Die TBW ist die Grenze, bis zu der der Hersteller garantiert; bei vielen SSDs endet die Garantie mit ihr. Die SSD kann danach weiterlaufen, der Hersteller verspricht es nur nicht mehr.
Halten QLC-SSDs kürzer?
Oft haben sie niedrigere TBW-Werte, aber nicht immer: Die WD Blue SN5100 hat mit QLC dieselben 600 TBW wie Samsung 990 Pro und WD Black SN850X. Entscheidend ist die Zusage im Datenblatt.