HardwareVon Stefan Haun7 min Lesezeit
Arbeitsspeicher testen: RAM-Fehler mit Bordmitteln und MemTest86 finden

Arbeitsspeicher testest du in zwei Stufen: zuerst mit der Windows-Speicherdiagnose (Win + R, mdsched.exe), danach gründlicher mit MemTest86 vom USB-Stick. Beide sind kostenlos. Microsoft selbst rät bei speicherbezogenen Bluescreens, mit dem Windows-Werkzeug „auf Probleme mit den physischen Speichermodulen“ zu prüfen. Steht der Verdacht auf einem XMP- oder EXPO-Profil, sind Stresstests unter Windows wie TestMem5 oder Karhu RAM Test die Ergänzung. Zeigt irgendein Test einen Fehler, ist das ein Befund – aber nicht automatisch ein kaputter Riegel.
Dieser Guide zeigt, woran du Speicherprobleme erkennst, wie du jedes Werkzeug startest, wie lange ein Test laufen sollte und wie du einen Fehler auf einen Riegel, ein Profil oder den Steckplatz eingrenzt.
macht MemTest86 standardmäßig, und mehr erlaubt die kostenlose Version nicht. PassMark nennt als Beispiel 15 Minuten für einen und 120 Minuten für vier Durchläufe – bei viel Speicher und langsamer CPU auch eine Nacht.
Anzeichen für fehlerhaften Arbeitsspeicher
Speicherfehler haben kein eindeutiges Symptom. Typisch sind Fehlerbilder, die zufällig wirken und sich keinem Programm zuordnen lassen:
- Bluescreens mit wechselnden Codes, darunter
MEMORY_MANAGEMENT(0x1A). Microsoft schreibt bei mehreren Unterfällen dieses Codes, der Fehler sei „wahrscheinlich ein Hardwarefehler“. - Abstürze von Spielen oder Programmen, die auf anderen Rechnern stabil laufen, und Neustarts ohne Meldung.
- Beschädigte Dateien: Entpacken bricht mit Prüfsummenfehlern ab, Installationen schlagen sporadisch fehl.
- Probleme direkt nach einer Änderung: neuer Riegel, eingeschaltetes XMP oder EXPO, BIOS-Update.
Der letzte Punkt ist der häufigste Weg zum Speichertest. PassMark schreibt, dass Speicherfehler manchmal nur bei zu scharfen Timings im BIOS auftreten, etwa beim Übertakten. Ein Profil ist laut Intel genau das: Übertaktung über die Standardwerte hinaus – mehr dazu in XMP und EXPO aktivieren.
Windows-Speicherdiagnose (mdsched)
Das Werkzeug steckt in jedem Windows und braucht keinen USB-Stick. So läuft es ab, wie Microsoft es beschreibt:
- Win + R drücken,
mdsched.exeeingeben, bestätigen. Alternativ im Startmenü nach „Windows-Speicherdiagnose“ suchen. - „Jetzt neu starten und nach Problemen suchen“ wählen. Vorher alles speichern.
- Nach dem Neustart läuft automatisch der Standardtest. Mit F1 öffnest du die Optionen und stellst die Testzusammenstellung auf Minimal, Standard oder Erweitert; F10 übernimmt die Einstellung.
- Am Ende startet Windows neu und zeigt das Ergebnis nach der Anmeldung an.
Erscheint keine Meldung, steht das Ergebnis in der Ereignisanzeige: Win + X → Ereignisanzeige → Windows-Protokolle → System, dann nach der Quelle MemoryDiagnostics-Results filtern. Die Ereignis-IDs 1101 und 1201 enthalten laut Windows-FAQ das Resultat. Im Optionsmenü lassen sich außerdem der Prozessor-Cache und die Zahl der Durchläufe einstellen.
Was der Test leistet: Er ist schnell zur Hand und für eindeutig defekte Riegel gedacht. Für den Verdacht auf ein instabiles Profil reicht ein Durchlauf ohne Befund nicht als Entwarnung, weil solche Fehler oft nur sporadisch auftreten (siehe Wie lange testen?). Dann folgt MemTest86.
MemTest86 vom USB-Stick
MemTest86 von PassMark startet ohne Windows direkt vom USB-Stick und hat den gesamten Speicher für sich. Die technische Beschreibung listet 15 Testverfahren, darunter einen Row-Hammer-Test. Die kostenlose Free Edition reicht für den Heimgebrauch; die Pro-Version ergänzt laut Vergleichstabelle unter anderem eigene Testabläufe und die Prüfung von Takt und Timings gegen die Angaben im SPD.
- Die Free Edition für USB von memtest86.com herunterladen und entpacken.
- Das mitgelieferte Programm imageUSB starten, den USB-Stick auswählen und das Abbild schreiben. Laut PassMark löscht das alle Daten auf dem Stick.
- Vom Stick booten, meist über das Bootmenü (F8, F11 oder F12, je nach Board). Aktuelle Versionen starten nur noch im UEFI-Modus.
- Den Test mit den Standardeinstellungen laufen lassen. Am Ende steht „PASS“ oder die Zahl der Fehler, dazu ein Bericht, den du auf dem Stick speichern kannst.
Die Free Edition macht standardmäßig vier Durchläufe; seit Version 8.0 ist das laut Versionshistorie auch das Maximum. Für den Normalfall genügt das.
Wie lange testen?
PassMark unterscheidet zwei Arten von Fehlern. Für dauerhafte Fehler, etwa einen defekten Speicherbaustein, reicht meist ein Durchlauf. Wer sporadische Fehler vermutet, sollte länger testen. Laut PassMark sind die meisten Fehler im Feld sporadisch und haben Ursachen wie Temperatur oder Kompatibilität von Timings und Spannungen, nicht einen eindeutig kaputten Chip.
Wie stark die Testdauer zählt, zeigt eine Auswertung von Karhu Software über mehr als 100.000 Testläufe ihres RAM Test. Angegeben ist, welcher Anteil der gefundenen Fehler innerhalb der jeweiligen Zeit auftrat:
| Testdauer | Anteil der gefundenen Fehler |
|---|---|
| bis 1 Minute | 47,42 % |
| bis 10 Minuten | 74,89 % |
| bis 1 Stunde | 92,97 % |
| bis 6 Stunden | 99,30 % |
| bis 24 Stunden | 99,99 % |
Quelle: FAQ von Karhu RAM Test (Version 1.1.0.0, Abbruch beim ersten Fehler, Stand 22.01.2024). Die Werte gelten für dieses Programm und lassen sich nicht direkt auf andere Tests übertragen.
Praktisch heißt das: Ein kurzer Test findet grobe Defekte, ein Profil gilt erst nach mehreren Stunden ohne Fehler als belastbar geprüft.
TestMem5 und Karhu: wenn XMP oder EXPO der Verdacht ist
Beide laufen unter Windows, also bei aktivem Profil und unter realistischer Last. Sie ersetzen MemTest86 nicht, sondern ergänzen es, wenn der Rechner nur mit eingeschaltetem Profil abstürzt.
- TestMem5 (TM5) ist kostenlos. Das Original von Serj wird nicht mehr gepflegt; die weiterentwickelte Fassung von CoolCmd liegt auf GitHub. Sie braucht mindestens Windows 7, sollte laut Anleitung als Administrator laufen und bringt gängige Konfigurationsdateien mit, voreingestellt ist „Universal 2“. Entpacken,
TM5.exestarten, fertig. - Karhu RAM Test ist kostenpflichtig: Eine private Lizenz für fünf Rechner kostet laut Hersteller 9,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer, eine kostenlose Version gibt es nicht. Karhu bewirbt das Programm ausdrücklich dafür, sowohl defekte Hardware als auch instabile Übertaktung zu finden. Bei der Frage nach der Laufzeit verweist der Hersteller auf die Dauer statt auf die angezeigte Abdeckung (Tabelle oben).
Für eine einmalige Fehlersuche reichen MemTest86 und TestMem5. Karhu lohnt sich eher, wenn du Timings selbst einstellst und oft neu testen musst.
Ein einziger Fehler: was er bedeutet
Ein Fehler ist kein Messrauschen. PassMark schreibt: „All valid memory errors should be corrected.“ Auch seltene Fehler können Probleme machen, die lange unbemerkt bleiben – beschädigte Dateien etwa. Ein Rechner mit einem Fehler im Speichertest gilt deshalb nicht als stabil.
Ein Fehler beweist aber nicht, dass der Riegel kaputt ist. PassMark betont, dass nicht jeder gemeldete Fehler auf defekten Speicher zurückgeht; auch Prozessor, Cache oder Mainboard kommen infrage, auch wenn meist das Modul die Ursache ist. Karhu nennt als mögliche Ursachen instabile Übertaktung, defekte Module oder sogar kosmische Strahlung. Darum folgt auf den Befund die Eingrenzung.
Fehler gefunden: eingrenzen, Takt senken, tauschen
- Profil aus, erneut testen. PassMark empfiehlt, bei XMP-Kits mit Standard-Timings ohne XMP zu testen. Ist der Test dann sauber, liegt es am Profil, nicht am Riegel.
- Mildere Stufe probieren. Viele Kits tragen ein zweites Profil mit weniger Takt oder lockereren Timings. Wie Takt, Timings und Spannung zusammenhängen, steht in CL30 vs CL36. Mehr Spannung kann laut PassMark die Stabilität verbessern, geschieht aber auf eigenes Risiko, weil zu viel Spannung Bauteile beschädigen kann.
- Riegel einzeln testen. Nur einen Riegel einbauen und testen, dann den nächsten. Das ist laut PassMark der einfachste Weg, ein fehlerhaftes Modul zu finden. Welcher Steckplatz mit einem Riegel der richtige ist, steht in RAM richtig einsetzen.
- Riegel tauschen. Lassen sich die Riegel nicht einzeln betreiben, die Plätze zweier Module tauschen. Wandert die fehlerhafte Adresse mit, ist es eines der beiden Module, so beschreibt es PassMark.
- BIOS aktualisieren. Gerade bei DDR5 nennen Corsair und Kingston ein BIOS-Update als Schritt bei Instabilität, die Reihenfolge der Fehlersuche steht im Abschnitt „Wenn der PC danach nicht startet“ von XMP und EXPO aktivieren.
- Garantie nutzen oder ersetzen. Zeigt ein Riegel auch mit Standardwerten Fehler, ist er ein Fall für die Garantie des Herstellers. Den Testbericht von MemTest86 aufheben, er hilft bei der Reklamation.
Muss neuer Speicher her: Kits mit Profil für DDR5-6000 und die Unterschiede zwischen ihnen stehen in der Übersicht Bester DDR5-RAM. Ersetze dabei möglichst das ganze Kit statt nur einen Riegel: Hersteller wie ASUS und Kingston raten davon ab, Riegel aus verschiedenen Kits zu mischen.
Häufige Fragen
Funktioniert MemTest86 mit DDR5?
Ja, PassMark führt DDR5 in der technischen Beschreibung als unterstützt. Voraussetzung ist ein Rechner, der im UEFI-Modus vom USB-Stick bootet.
Kann ich RAM ohne USB-Stick testen?
Ja, mit der Windows-Speicherdiagnose, die nach einem Neustart vor Windows läuft, oder mit TestMem5 und Karhu direkt unter Windows. MemTest86 braucht einen bootfähigen Datenträger.
Heißt „0 Fehler“, dass der Speicher sicher in Ordnung ist?
Nur für die Dauer und die Bedingungen des Tests. Sporadische Fehler zeigen sich laut PassMark und Karhu oft erst nach längerer Laufzeit. Treten die Abstürze weiter auf, länger testen und auch Netzteil, Grafikkarte und Treiber prüfen.
Woher die Angaben auf dieser Seite kommen
Wir haben für diesen Beitrag keine eigenen Speichertests durchgeführt. Abläufe, Laufzeiten und Empfehlungen stammen aus der Dokumentation von Microsoft und PassMark, aus dem GitHub-Projekt von TestMem5 und den FAQ von Karhu Software, jeweils an der Stelle verlinkt, Stand 5. Oktober 2026.