HardwareVon Stefan Haun6 min Lesezeit
Monitor zieht Schlieren (Ghosting): Overdrive richtig einstellen

Kurz gesagt: Wenn dein Monitor Schlieren zieht, prüf zuerst, ob er mit seiner vollen Bildrate läuft. Dann stell im Monitormenü die Overdrive-Stufe ein: zu schwach lässt Schlieren stehen, zu stark erzeugt helle Säume hinter bewegten Objekten. Meist ist die mittlere Stufe die beste. Bleiben auf jeder Stufe dunkle Schlieren, ist es die Bauart des Panels – typisch für VA –, kein Defekt.
Ghosting heißt: Hinter einem bewegten Objekt bleibt eine blasse Kopie oder ein Schweif stehen. Bei einem Fadenkreuz, das über einen dunklen Himmel schwenkt, sieht man es als graue Fahne, in Shootern als verwaschene Gegnerkonturen. Die Ursache liegt bei LCD-Monitoren in der Zeit, die ein Bildpunkt braucht, um von einer Farbe zur nächsten zu wechseln. Ist der Wechsel nicht fertig, bevor das nächste Bild kommt, bleibt ein Rest der alten Farbe sichtbar.
Das ist etwas anderes als die normale Bewegungsunschärfe, die jeder Monitor zeigt: Ein Bild steht so lange auf dem Schirm, bis das nächste kommt, und das Auge verwischt es in der Bewegung. Gegen diese Unschärfe hilft nur mehr Bildrate. Gegen Ghosting hilft die richtige Einstellung. Was die Reaktionszeit-Angaben auf dem Karton dazu sagen, steht in Monitor-Reaktionszeit.
Die Reihenfolge, die das Problem findet
1. Läuft der Monitor mit seiner vollen Bildrate?
Ein 144- oder 240-Hz-Monitor, der auf 60 Hz läuft, zieht deutlich mehr Schlieren – jedes Bild steht fast dreimal so lange. Windows stellt die höhere Rate nicht immer von selbst ein. Nachsehen: Einstellungen → System → Anzeige → Erweiterte Anzeige. Steht die volle Rate nicht zur Auswahl, liegt es meist an Kabel oder Anschluss. Die Details stehen in Wie viel Hertz braucht ein Gaming-Monitor und Monitor am PC.
2. Einen Bewegungstest öffnen
Damit du Einstellungen vergleichen kannst, brauchst du ein Bild, das immer gleich ist. Der Ghosting-Test von TestUFO läuft im Browser und zeigt laut Betreiber Bewegungsunschärfe, Ghosting und Overdrive-Artefakte. Öffne ihn im Vollbild, bei voller Bildrate, und lass ihn für die nächsten Schritte offen.
3. Overdrive Stufe für Stufe durchgehen
Overdrive gibt den Bildpunkten einen kurzen Spannungsschub, damit sie schneller schalten. Jeder Hersteller nennt die Funktion anders, und die Stufen tragen eigene Namen. In den Geizhals-Datenblättern stehen sie zum Teil direkt neben der Reaktionszeit, etwa beim Dell SE2425HG „1ms (Extreme), 3ms (Super Fast), 5ms (Fast)“ und beim Lenovo Legion 24-10 „Level 1“ bis „Level 4“. Im Menü findest du sie unter Namen wie Overdrive, Response Time, Trace Free oder Antwortzeit.
Geh jede Stufe einmal durch und sieh dir den Test an:
- Zu schwach: Hinter dem bewegten Objekt liegt ein dunkler oder blasser Schweif. Das ist das klassische Ghosting.
- Zu stark: Hinter dem Objekt erscheint ein heller, oft farbiger Saum, manchmal auch ein dunkler und ein heller Rand nacheinander. Das heißt inverses Ghosting oder Korona: Der Bildpunkt schießt über die Zielfarbe hinaus und schwingt zurück.
- Richtig: Die Stufe, bei der beides am wenigsten auffällt. Bei den meisten Monitoren ist das eine der mittleren Stufen, selten die höchste.
Blur Busters beschreibt genau diesen Zielkonflikt: Niedrige Overdrive-Stufen lassen Ghosting stehen, hohe erzeugen Koronas; der Test zeigt bei steigender Stufe weniger Schlieren und mehr Säume (Blur Busters, LCD Overdrive Artifacts). Die höchste Stufe, mit der der Hersteller die Reaktionszeit auf dem Karton angibt, ist deshalb oft nicht die beste für den Alltag.
4. Variable Bildrate mitdenken
Mit G-Sync oder FreeSync ändert sich die Bildrate ständig. Eine Overdrive-Stufe, die bei 240 Bildern je Sekunde passt, kann bei 90 Bildern zu stark sein, weil der Bildpunkt dann mehr Zeit hätte und der Schub über das Ziel hinausschießt. Manche Monitore passen Overdrive deshalb an die Bildrate an; ob deiner das tut, steht im Handbuch. Wenn nicht: Stell die Stufe für die Bildrate ein, die du in deinen Hauptspielen tatsächlich erreichst, nicht für die Höchstrate.
5. Bewegungsschärfe-Modus ausprobieren
Viele Gaming-Monitore haben einen Modus, der die Hintergrundbeleuchtung zwischen zwei Bildern kurz abschaltet – bei BenQ DyAc, bei ASUS ELMB, bei Acer VRB. Blur Busters nennt solche Strobe-Modi als Weg, Schaltvorgänge zu verbergen. Der Preis ist ein dunkleres Bild, und bei manchen Monitoren lässt sich der Modus nicht gleichzeitig mit der variablen Bildrate nutzen – beim BenQ Zowie XL2546X+ etwa nur mit DyAc 2 aus. Für schnelle Shooter mit stabil hoher Bildrate ist er einen Versuch wert, für alles andere selten.
Wann das Panel schuld ist
Bleiben auf jeder Overdrive-Stufe Schlieren, vor allem bei dunklen Objekten vor dunklem Hintergrund, ist es meist die Bauart. VA-Panels schalten dunkle Übergänge langsamer als IPS; in Tests heißt das Fehlerbild „Black Smearing“. Das ist kein Defekt, sondern der Preis für den höheren Kontrast, und es lässt sich nur abmildern, nicht beseitigen. Mehr dazu in IPS oder VA.
Ein Defekt ist es eher, wenn die Schlieren plötzlich auftreten, an einem Monitor, der vorher sauber war, oder wenn nur ein Bereich des Bildschirms betroffen ist. Dann zuerst den Monitor auf Werkseinstellungen zurücksetzen und an einem anderen Gerät prüfen. Bleibt es, ist es ein Fall für Händler oder Hersteller.
Wer sowieso über einen neuen Monitor nachdenkt: Schnelle IPS-Panels mit hoher Bildrate stehen in 240-Hz-Monitore ohne Schlieren. Gar kein Nachziehen in dunklen Übergängen hat OLED (0,03 ms), weil jeder Bildpunkt praktisch sofort schaltet. Alle Größen und Panels mit je einer Empfehlung stehen in Bester Gaming-Monitor 2026.
Was nicht die Ursache ist
- Das Kabel. Ein schlechtes Kabel erzeugt Aussetzer, Flackern oder Bildfehler, aber keine Schlieren hinter bewegten Objekten. Wenn der Monitor flackert statt nachzieht: Monitor flackert.
- Die Grafikkarte. Sie liefert fertige Bilder; wie schnell der Monitor sie umschaltet, ist Sache des Panels. Eine zu niedrige Bildrate macht Bewegungen aber unruhiger und verstärkt den Eindruck von Unschärfe.
- Ein Treiber. Schlieren im Bewegungstest im Browser haben mit dem Grafiktreiber nichts zu tun.
Die ehrliche Einschränkung
Wir haben keinen Monitor selbst vermessen. Welche Overdrive-Stufe an deinem Modell die beste ist, lässt sich ohne Messaufbau nur mit dem eigenen Auge und einem Bewegungstest finden – und das Auge ist dabei das Messgerät, auf das es ankommt. Manche Fremdtests nennen für das getestete Modell die empfohlene Stufe; ein Blick in einen Test des eigenen Monitors spart das Durchprobieren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Ghosting beim Monitor?
Welche Overdrive-Stufe ist die richtige?
Ist Ghosting ein Garantiefall?
Hat ein OLED-Monitor Ghosting?
Quellen
- Zielkonflikt Ghosting und Koronas bei Overdrive: Blur Busters, LCD Motion Artifacts: Overdrive.
- Bewegungstest: TestUFO Ghosting Test.
- Overdrive-Stufen im Datenblatt (Dell SE2425HG, Lenovo Legion 24-10): Technische Daten: Geizhals, abgerufen am 13. Oktober 2026.