HardwareVon Stefan Haun6 min Lesezeit
Micro-ATX vs ATX: was das kleinere Board kostet (Slots, Kühlung, Gehäuse)

Kurz gesagt: Micro-ATX (µATX) misst 244 × 244 mm, ATX 305 × 244 mm. Das kleinere Board hat höchstens vier Erweiterungssteckplätze statt sieben. Für einen Gaming-PC mit einer Grafikkarte reicht das fast immer: Grafikkarten-Steckplatz, Arbeitsspeicher und oft auch die M.2-Plätze sind gleich. Was du verlierst, sind zusätzliche PCIe-Steckplätze, manchmal einen Lüfteranschluss und ein paar Anschlüsse. Was du gewinnst, ist ein kompakteres Gehäuse.
Billiger ist µATX nicht automatisch – bei manchen Board-Familien kostet die kleine Fassung sogar mehr. Vergleiche deshalb immer den Tagespreis beider Varianten.
„Micro-ATX vs ATX“ ist eine Frage über das Mainboard. Welches Gehäuse welche Größe aufnimmt und an welchen drei Maßen ein Zusammenbau wirklich scheitert, steht in PC-Gehäuse Größe. Hier geht es darum, was das kleinere Board selbst kann und was nicht.
Wie dieser Beitrag entsteht: Wir haben keine Boards gebaut oder gemessen. Die Normmaße stammen aus der Formatbeschreibung, die Board-Vergleiche aus Geizhals-Datenblättern (Technische Daten: Geizhals, abgerufen am 13.10.2026).
Die Maße: gleich breit, sechs Zentimeter kürzer
| Format | Maße | Erweiterungssteckplätze (max.) | RAM-Plätze typisch |
|---|---|---|---|
| ATX | 305 × 244 mm (12 × 9,6 Zoll) | 7 | 4 |
| Micro-ATX | 244 × 244 mm (9,6 × 9,6 Zoll) | 4 | 4 (bei günstigen Boards auch 2) |
| Mini-ITX | 170 × 170 mm (6,7 × 6,7 Zoll) | 1 | 2 |
ATX und Micro-ATX sind gleich breit; µATX ist nur in der anderen Richtung kürzer. Deshalb sitzen die Befestigungslöcher, die das Board an der Rückseite hält, bei beiden an kompatiblen Stellen, und jedes ATX-Gehäuse nimmt auch ein µATX-Board auf. Umgekehrt gilt das nicht: Ein Gehäuse „bis µATX“ hat für ein ATX-Board schlicht keinen Platz. Die Maße für ATX und µATX und die Zahl der Steckplätze nennt die Formatbeschreibung; die Zollmaße stehen genauso in jedem Geizhals-Gehäusedatenblatt unter „Unterstützte Mainboards“.
Ein Beispiel: dasselbe Board in beiden Größen
Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn derselbe Hersteller dasselbe Board in beiden Formaten baut. Die ASUS TUF Gaming B850-Plus WIFI (ATX) und die TUF Gaming B850M-Plus WIFI (µATX) haben denselben Chipsatz (AMD B850), denselben Sockel AM5 und laut Datenblatt dieselbe Spannungsversorgung. Was sich unterscheidet:
| Merkmal | TUF Gaming B850-Plus WIFI (ATX) | TUF Gaming B850M-Plus WIFI (µATX) |
|---|---|---|
| PCIe-Steckplätze | 1× PCIe 5.0 x16, 1× PCIe 4.0 x16 (elektrisch x4), 2× PCIe 4.0 x1 | 1× PCIe 5.0 x16, 1× PCIe 4.0 x1 |
| M.2-Plätze (SSD) | 3 (1× PCIe 5.0, 2× PCIe 4.0) | 3 (1× PCIe 5.0, 2× PCIe 4.0) |
| RAM | 4× DDR5 | 4× DDR5 |
| Spannungsversorgung (VRM) | 14+2+1, 80-A-Stufen | 14+2+1, 80-A-Stufen |
| Lüfteranschlüsse | 2× CPU, 4× Gehäuse, 1× AIO-Pumpe | 2× CPU, 3× Gehäuse, 1× AIO-Pumpe |
| USB hinten | 10 (davon 2× USB 2.0) | 12 (davon 4× USB 2.0) |
| WLAN | Wi-Fi 7 | Wi-Fi 6E |
| Thunderbolt-/USB4-Header | ja | nein |
Technische Daten: Geizhals, abgerufen am 13.10.2026. Beide Boards hatten an diesem Tag mehr als 30 Angebote im Preisvergleich.
Die Liste zeigt, worauf es ankommt: Beim Gaming-Kern – Grafikkarten-Steckplatz, Speicher, SSD-Plätze, Spannungsversorgung – ist das kleine Board hier gleichwertig. Es fehlen drei zusätzliche Steckplätze und ein Gehäuselüfter-Anschluss. Dass die µATX-Fassung sogar zwei USB-Anschlüsse mehr hinten hat, zeigt: „kleiner“ heißt nicht „in allem weniger“. Bei anderen Board-Familien kann das Verhältnis anders aussehen – ein Blick ins Datenblatt beider Varianten erspart Überraschungen. Welche AM5-Boards es in welcher Ausstattung gibt, sortiert Welches AM5-Mainboard kaufen?, den Unterschied der Chipsätze erklärt B650 vs B850.
Steckplätze: was die Grafikkarte davon übrig lässt
Auf dem Papier hat ATX bis zu sieben Steckplätze, µATX bis zu vier. Praktisch belegt eine aktuelle Grafikkarte zwei bis drei, große Modelle auch dreieinhalb Slotbreiten. Auf einem µATX-Board bleibt darunter oft nur ein einziger freier Steckplatz, und der ist manchmal vom Kühler der Karte verdeckt.
Das ist nur ein Problem, wenn du tatsächlich Karten nachrüsten willst: eine Capture-Karte zum Streamen, eine schnellere Netzwerkkarte, eine Soundkarte, eine zweite Grafikkarte für Berechnungen. Für alles andere gibt es heute USB oder Onboard-Lösungen. WLAN, Bluetooth und 2,5-Gbit-Netzwerk sind bei beiden Beispielboards schon eingebaut.
Kühlung: weniger Fläche, aber nicht automatisch heißer
Ein kleineres Board hat weniger Fläche für Kühlkörper auf der Spannungsversorgung und den M.2-Plätzen. Bei günstigen µATX-Boards fällt die Spannungsversorgung deshalb oft kleiner aus als beim ATX-Geschwister – beim Beispiel oben ist sie laut Datenblatt identisch. Wer einen stromhungrigen Prozessor unter Dauerlast betreibt, etwa einen 16-Kerner beim Rendern, sollte die Versorgung deshalb nicht einfach voraussetzen. Dann lohnt der Blick in die Datenblattzeile „VRM-Design“ und auf die Zahl und Stärke der Leistungsstufen.
Für die Temperatur des ganzen Systems entscheidet ohnehin das Gehäuse, nicht das Board. Ein µATX-Board in einem kompakten, gut belüfteten Gehäuse kühlt besser als ein ATX-Board in einem engen mit geschlossener Front. Wie die Luft durch ein Gehäuse laufen sollte, erklärt PC-Airflow. Und weil ein µATX-Board oft einen Lüfteranschluss weniger hat, ist bei vielen Lüftern ein Hub oder eine Daisy-Chain-Kette sinnvoll – siehe Gehäuselüfter anschließen.
Das Gehäuse: der eigentliche Grund für µATX
Wer µATX wählt, will meist einen kleineren Rechner. Gehäuse, die genau für µATX gebaut sind, haben rund 20 bis 35 Liter; die ATX-Midi-Tower in unseren Gehäuselisten liegen laut Datenblatt meist zwischen 45 und 60 Litern. Laut Geizhals-Datenblatt hat zum Beispiel der Jonsbo Z20 rund 20 Liter, der Lian Li A3-mATX knapp 28 Liter und der ASUS Prime AP201 33 Liter – und alle drei nehmen trotzdem ein normales ATX-Netzteil und Grafikkarten von deutlich über 30 cm Länge auf.
Das ist der Punkt, an dem µATX gegenüber Mini-ITX gewinnt: Du bekommst ein Gehäuse, das kaum größer ist als ein ITX-Würfel, aber mit vier RAM-Plätzen, einem zweiten Steckplatz und normalem Netzteil statt SFX. Welche Modelle es gibt, mit Grafikkartenlänge, Kühlerhöhe und Tagespreis, zeigt Mini-ITX- und Micro-ATX-Gehäuse im Vergleich. Wer es noch kleiner will, findet eine komplette Teileliste in Mini-ITX-Gaming-PC.
Umgekehrt gilt: Wenn das Gehäuse ohnehin ein ATX-Midi-Tower wird, spricht wenig gegen ein ATX-Board. Es hat Reserven, und bei manchen Board-Familien ist es die günstigere Fassung. Alle Gehäuselisten – Airflow, Silent, Weiß, mit Display und kompakt – findest du in der Übersicht Bestes PC-Gehäuse.
Die Entscheidung in vier Fällen
- Gaming-PC mit einer Grafikkarte, kompaktes Gehäuse gewünscht: µATX. Dir fehlt nichts, was du brauchst.
- Gaming-PC im normalen Midi-Tower: ATX, wenn es nicht mehr kostet als die µATX-Fassung – die Reserve gibt es dann umsonst.
- Streaming mit interner Capture-Karte, zusätzliche Netzwerk- oder Soundkarte: ATX, weil unter der Grafikkarte sonst kein Steckplatz frei bleibt.
- So klein wie möglich: Mini-ITX – mit nur zwei RAM-Plätzen, einem Steckplatz und meist SFX-Netzteil.
Häufig gestellte Fragen
Passt ein Micro-ATX-Board in ein ATX-Gehäuse?
Ist Micro-ATX schlechter zum Zocken?
Ist ein Micro-ATX-Board günstiger als ATX?
Wie groß ist ein Micro-ATX-Board?
Quellen
- Formatmaße und maximale Steckplätze: Wikipedia, Micro-ATX, abgerufen am 13.10.2026; Zollmaße der Formate laut Geizhals-Gehäusedatenblättern.
- ASUS TUF Gaming B850-Plus WIFI und B850M-Plus WIFI (Steckplätze, M.2, VRM, Lüfteranschlüsse, USB, WLAN), Gehäusevolumen Jonsbo Z20, Lian Li A3-mATX, ASUS Prime AP201: Technische Daten Geizhals, abgerufen am 13.10.2026.