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So funktioniert ein Netzteilrechner wirklich

Wie aus Bauteilen eine Wattzahl wird — und an welchen Stellen die üblichen Rechner danebenliegen.

Diese Seite gehört zum Netzteilrechner — dort steht das Werkzeug, hier steht, was dahintersteckt.

Die Rechnung, die dahintersteckt

Jeder Netzteilrechner macht im Kern dasselbe: er addiert, was die Teile ziehen, und schlägt etwas auf. Interessant sind nicht die Additionen, sondern die drei Stellen, an denen sich die Rechner unterscheiden — und genau dort kommen die Unterschiede von 100 bis 300 Watt her, die man zwischen zwei Werkzeugen für dieselbe Zusammenstellung findet.

1. Welche Zahl für ein Bauteil eingesetzt wird

Ein Prozessor mit „125 Watt" im Datenblatt kann im Dauerlauf 253 Watt ziehen, wenn das Mainboard die Zeitbegrenzung des Turbos aufhebt — und das tun viele ab Werk. Wer die 125 einsetzt, rechnet mit der halben Wahrheit; wer die 253 einsetzt, rechnet einen Zustand, den nicht jeder hat. Welche Angabe was bedeutet, steht unter TDP ist nicht der Verbrauch.

2. Was als Grundlast angesetzt wird

Board, Spannungswandler, Lüftersteuerung, USB-Geräte — das läuft mit und steht in keinem Datenblatt. Wir rechnen mit 45 Watt, dazu 3 Watt je Speicherriegel, 6 Watt je SSD, 8 Watt je Festplatte und 2,5 Watt je Gehäuselüfter. Andere Rechner setzen hier deutlich mehr an; das allein erklärt schon eine Klasse Unterschied.

3. Wie viel Reserve aufgeschlagen wird

Wir schlagen 30 Prozent auf. Das ist kein Angstzuschlag: die Reserve deckt Alterung der Bauteile, den schlechteren Wirkungsgrad bei hoher Auslastung und die kurzen Lastspitzen ab, die in keiner Herstellerangabe stehen. Ob 30 die richtige Zahl ist, haben wir nicht geschätzt, sondern an 451 Kombinationen durchgerechnet — 15 Prozent von ihnen brauchen 850 Watt, ein Viertel diese Klasse oder mehr.

Bei einem Netzteil, das älter ist als ATX 3.0, reichen die 30 Prozent für die Lastspitzen der Grafikkarte nicht. Der Rechner fragt deshalb nach dem Baujahr und schlägt in diesem Fall die halbe Kartenleistung zusätzlich auf. Warum die Norm hier die Grenze zieht, steht unter GPU-Transienten.

Was dabei herauskommt, ist eine Obergrenze

Das Ergebnis ist nicht die Vorhersage eines Verbrauchs, sondern die Obergrenze der Dauerlast. CPU und Grafikkarte erreichen ihr Maximum praktisch nie gleichzeitig: im Spiel gibt die Karte den Takt vor und der Prozessor bleibt weit darunter, beim Rendern umgekehrt. Wer trotzdem beide Maxima addiert und darauf noch einen Sicherheitszuschlag legt, kauft zwei Klassen zu groß — und landet bei einer Auslastung, in der ein Netzteil am wenigsten effizient arbeitet.

Welche der drei möglichen Lastzahlen für welche Entscheidung zählt, steht unter Dauerlast vs. Spitzenlast.

Was eine Rechnung grundsätzlich nicht kann

Sie kann die Lastspitzen einer Grafikkarte nicht erfassen. Die liegen im Mikrosekundenbereich, tauchen in keiner Messung auf und bringen trotzdem Netzteile zum Abschalten, die rechnerisch groß genug sind. Dagegen hilft keine Formel, sondern Reserve und ein Gerät, das die Lastüberhöhung nach ATX 3.0 wirklich besteht — mit einer Ausnahme in der Norm, die man kennen sollte: GPU-Transienten und Power-Spikes.

Und sie kann nicht sagen, was der Rechner an der Steckdose zieht. Dafür zählt die tatsächliche Aufnahme im Betrieb mal Spielzeit, nicht die Netzteilgröße — nachgerechnet unter Was ein Gaming-PC im Jahr an Strom kostet.

Die Größen, aus denen gewählt wird

Am Ende fällt das Ergebnis auf eine handelsübliche Klasse: 450, 550, 650, 750, 850, 1000, 1200 oder 1500 Watt. Zwischenwerte gibt es kaum zu kaufen, also rundet jeder Rechner auf — und an dieser Stelle entscheidet ein einziges Watt Unterschied in der Rechnung über eine ganze Klasse im Ergebnis. Das ist der Grund, warum zwei Werkzeuge mit ähnlicher Rechnung verschiedene Empfehlungen ausgeben können.

Steht schon woanders

Die anderen Teile