TDP ist nicht der Verbrauch: PL1, PL2, PPT, TGP
Die Zahl auf dem Datenblatt ist eine Kühlvorgabe, kein Verbrauch. Bei Intel, AMD und NVIDIA heißt sie unterschiedlich und bedeutet jedes Mal etwas anderes — und genau daran gehen die meisten Netzteilrechnungen daneben.
Wer einen Prozessor mit „125 Watt TDP" kauft, hat keine Zusage bekommen, dass das Ding 125 Watt zieht. TDP steht für Thermal Design Power und beantwortet eine Frage, die der Kühler stellt, nicht das Netzteil: wie viel Wärme muss dauerhaft abgeführt werden. Was aus der Steckdose kommt, ist eine andere Zahl — und sie liegt fast immer darüber.
Intel: PL1, PL2 und die Sekunden dazwischen
Intel führt zwei Grenzen. PL1 ist die Leistung, die der Prozessor dauerhaft ziehen darf; sie entspricht der Zahl, die im Datenblatt als Processor Base Power steht. PL2 ist die Grenze für den Turbo — deutlich höher, und sie gilt für eine Zeitspanne, die Intel Tau nennt.
Beim Core i9-14900K sind das 125 Watt Base Power und 253 Watt Maximum Turbo Power. Das ist kein Ausreißer, sondern die Bauart: die Spanne zwischen den beiden Werten beträgt gut das Doppelte.
Der Teil, der die Rechnung wirklich kippt, steht in keinem Datenblatt: Mainboard-Hersteller setzen Tau routinemäßig auf unendlich. Damit gilt PL2 nicht mehr für ein paar Sekunden, sondern dauerhaft. Aus einem 125-Watt-Prozessor wird im Dauerlauf ein 253-Watt-Prozessor, ohne dass jemand übertaktet hätte. Wer die 125 in eine Netzteilrechnung einträgt, rechnet mit der halben Wahrheit.
AMD: TDP ist nicht die Grenze, PPT ist es
AMD trennt sauberer. Die TDP ist auch hier eine Kühlvorgabe; die tatsächliche Leistungsgrenze am Sockel heißt PPT (Package Power Tracking) und misst, was über die Versorgungsleitungen in den Sockel geht — nicht in den Chip.
Für Sockel AM5 hat AMD die Werte selbst genannt: 170 Watt TDP entsprechen 230 Watt PPT. Auf AM4 galt derselbe Zusammenhang mit dem Faktor 1,35 — 65 Watt TDP wurden 88 Watt PPT, 105 Watt wurden 142.
Daneben laufen zwei weitere Grenzen mit, die selten jemand braucht, aber erklären, warum ein Prozessor manchmal unter seinem PPT bleibt: TDC begrenzt den Dauerstrom der Spannungswandler, EDC den kurzzeitigen Spitzenstrom. Wer beim Übertakten an eine Wand läuft, ohne dass PPT ausgeschöpft ist, hat eine von beiden getroffen.
Grafikkarten: TGP und TBP sind ehrlicher
Bei Grafikkarten ist die Lage besser, weil die Hersteller dort gar nicht erst von TDP sprechen. TGP (Total Graphics Power) und TBP (Total Board Power) meinen, was die ganze Karte zieht — Chip, Speicher, Lüfter, Spannungswandler. Das ist näher an der Steckdose als jede CPU-Angabe.
Trotzdem bleibt eine Lücke, und es ist die gefährlichere: die Angabe beschreibt die Dauerlast. Was eine Karte in Millisekunden zieht, liegt darüber — teils weit. Ein Netzteil, das für die gerechnete Zahl ausreicht, kann an so einer Spitze trotzdem abschalten. Deshalb steht die Reserve nicht aus Vorsicht in der Rechnung, sondern aus Notwendigkeit.
Was das für unsere Rechnung heißt
Unser Netzteilrechner arbeitet mit den Hersteller-TDP-Werten. Der Katalog dahinter reicht bei den Prozessoren von 60 Watt (Core i3-14100) bis 170 Watt (Ryzen 9 9950X), bei den Grafikkarten von 115 Watt (RTX 4060) bis 575 Watt (RTX 5090). Dazu kommen 45 Watt Grundlast für Board und Steuerung, 3 Watt je Speicherriegel, 6 Watt je SSD, 8 Watt je Festplatte und 2,5 Watt je Gehäuselüfter.
Diese Summe ist eine Obergrenze für die Dauerlast und keine Vorhersage des Verbrauchs. Zwei Gründe, in beide Richtungen:
- Nach unten: CPU und Grafikkarte erreichen ihr Maximum praktisch nie gleichzeitig. Im Spiel arbeitet die Karte am Anschlag und der Prozessor weit darunter; beim Rendern umgekehrt. Wer beide Maxima addiert, rechnet einen Zustand, den es im Alltag nicht gibt.
- Nach oben: Bei Intel gilt die eingetragene Zahl nur, solange das Mainboard sich an PL1 hält — und das tut es ab Werk oft nicht. Wer ein Board mit offenem Powerlimit hat, sollte statt der Base Power die Maximum Turbo Power eintragen.
Die 30 Prozent Reserve, mit denen wir rechnen, fangen genau diese Unschärfe ab. Ob 30 Prozent die richtige Größe sind, haben wir an 266 Kombinationen durchgerechnet — das Ergebnis steht unter Wie viel Reserve braucht ein Netzteil wirklich.
Die kurze Fassung
- TDP ist eine Kühlvorgabe, kein Verbrauch.
- Intel: PL1 ist die Dauergrenze, PL2 die Turbogrenze. Viele Mainboards heben die Zeitbegrenzung auf, dann gilt PL2 immer.
- AMD: PPT ist die reale Sockelgrenze. AM5: 170 Watt TDP sind 230 Watt PPT.
- Grafikkarten: TGP und TBP meinen die ganze Karte und sind brauchbar — decken aber nur die Dauerlast ab, nicht die Spitzen.
- Für die Netzteilwahl zählt die Dauerlast plus Reserve, nicht die Summe zweier Maxima, die nie zusammen auftreten.
Wie man aus diesen Werten eine konkrete Zahl rechnet, steht Schritt für Schritt unter PC-Stromverbrauch berechnen. Welche Größe für eine bestimmte Kombination herauskommt, steht für 266 durchgerechnete Zusammenstellungen fertig da.
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