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Dauerlast vs. maximale Spitzenlast

Ein Rechner, der eine einzige Zahl ausgibt, verschweigt die Hälfte. Was ein PC im Betrieb dauerhaft zieht und was er in Millisekunden zieht, sind zwei verschiedene Größen — und nur eine davon entscheidet über die Wattklasse.

Die meisten Netzteilrechner im Netz nennen einen Wert und lassen offen, was er bedeutet. Das ist der Grund, warum ihre Ergebnisse so weit auseinandergehen: der eine rechnet die Dauerlast, der andere addiert Maxima, die nie zusammen auftreten, und ein dritter schlägt vorsichtshalber noch etwas drauf. Drei Zahlen, drei Bedeutungen, keine davon benannt.

Die drei Zahlen, die man auseinanderhalten muss

Die Dauerlast ist, was das System über Minuten zieht — im Spiel, beim Rendern, unter Volllast. Sie entscheidet über die Wattklasse des Netzteils und über die Stromrechnung.

Die rechnerische Summe der Maxima ist, was herauskommt, wenn man die Höchstwerte aller Teile addiert. Diese Zahl beschreibt einen Zustand, den es im Betrieb nicht gibt: im Spiel arbeitet die Grafikkarte am Anschlag und der Prozessor weit darunter, beim Rendern umgekehrt. Wer so rechnet, kauft zwei Klassen zu groß.

Die Spitzenlast ist, was in Millisekunden anliegt. Sie liegt über beiden anderen Zahlen, dauert zu kurz, um Wärme zu erzeugen, und ist trotzdem das, was ein Netzteil zum Abschalten bringt. Warum, steht unter GPU-Transienten.

Warum die Summe der Maxima die falsche Zahl ist

Nimm eine Zusammenstellung aus unserem Katalog: Ryzen 7 7800X3D (162 Watt PPT — die 120 Watt auf dem Datenblatt sind die TDP und damit eine Kühlvorgabe) und GeForce RTX 4070 Super (220 Watt). Dazu 45 Watt Grundlast für Board und Steuerung, zwei Speicherriegel zu je 3 Watt, eine SSD mit 6 Watt und drei Gehäuselüfter zu je 2,5 Watt.

Die Summe der Maxima ergibt 446,5 Watt. Im Spiel liegt der Prozessor allerdings selten über der Hälfte seines Limits, weil die Grafikkarte den Takt vorgibt. Die tatsächliche Dauerlast liegt damit spürbar darunter — und trotzdem sind die 446,5 die richtige Grundlage für die Netzteilwahl. Nicht weil sie eintritt, sondern weil sie die Obergrenze markiert, unter der alles bleibt.

Der Fehler beginnt erst eine Stufe später: wenn jemand auf diese Obergrenze noch einmal einen Sicherheitszuschlag von 50 Prozent legt, weil er nicht weiß, dass sie bereits eine Obergrenze ist. Aus 446,5 werden 670, daraus wird ein 750-Watt-Netzteil gekauft — und das arbeitet dann bei einer Auslastung, in der es am wenigsten effizient ist.

Was unser Rechner ausgibt

Der Netzteilrechner rechnet die Obergrenze der Dauerlast aus den Lastangaben der Hersteller — beim Prozessor PPT beziehungsweise Maximum Turbo Power, bei der Karte die Referenz-TGP — und schlägt 30 Prozent Reserve auf. Die Reserve ist kein Angstzuschlag: sie deckt Alterung, Wirkungsgradverlust bei hoher Auslastung und einen Teil jener Spitzen ab, die in keiner TDP-Angabe stehen.

Für Netzteile vor ATX 3.0 reicht sie dafür allerdings nicht. Der Rechner fragt deshalb nach dem Baujahr und schlägt bei älteren Geräten die Lastspitze der Karte zusätzlich auf — ab ATX 3.0 ist sie spezifiziert und das Netzteil muss sie abkönnen.

Ob 30 Prozent die richtige Größe sind, haben wir nicht geschätzt, sondern an 451 Kombinationen durchgerechnet. Das Ergebnis: 15 Prozent von ihnen brauchen ein 850-Watt-Netzteil, ein Viertel diese Klasse oder mehr.

Warum ein 750-Watt-Netzteil bei 500 Watt abschalten kann

Die Wattzahl auf dem Aufkleber ist eine Dauerleistung. Sie sagt nichts darüber, wie das Gerät auf einen Lastsprung reagiert, der in Mikrosekunden kommt und wieder weg ist.

Schaltet ein Netzteil unter Last ab, obwohl die gerechnete Zahl weit darunter liegt, hat fast immer eine Schutzschaltung ausgelöst — meist die Überlastabschaltung. Sie misst nicht den Durchschnitt, sondern den Moment. Ein Gerät, das 750 Watt dauerhaft liefert, aber auf eine 900-Watt-Spitze von einer Millisekunde mit Abschalten reagiert, ist nicht defekt: es ist für diesen Fall nicht ausgelegt.

Genau dafür gibt es seit ATX 3.0 eine verbindliche Vorgabe. Was sie verlangt und warum manche Netzteile sie umgehen, steht unter GPU-Transienten und Power-Spikes.

Die kurze Fassung

Woher die Zahlen kommen, mit denen gerechnet wird, und warum die Herstellerangaben nicht der Verbrauch sind, steht unter TDP ist nicht der Verbrauch. Die fertige Größe für 451 gängige Zusammenstellungen steht unter Netzteil für deine Zusammenstellung.

Gehört zum Netzteilrechner · So funktioniert ein Netzteilrechner wirklich.