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Hardware5 min Lesezeit

Ping zu hoch, was tun: die Reihenfolge, in der es wirklich hilft

Illustration: ein Schreibtisch am Fenster bei Nacht mit dunklem Bildschirm und leerem Stuhl, an der Wand darüber ein Router mit zwei Antennen, draußen die Lichter der Stadt

Ping ist Laufzeit, nicht Bandbreite. Ein schnellerer Tarif senkt ihn deshalb nicht. Der Ping misst, wie lange ein kleines Datenpaket von deinem Rechner zum Spielserver und zurück braucht. Wie viele Megabit daneben durch die Leitung passen, zählt erst, wenn die Leitung voll ist. Darum steht die Maßnahme, die am meisten bringt, bei den meisten ganz unten auf der Liste.

Warum mehr Megabit nichts ändern

Stell dir die Leitung als Straße vor. Die Bandbreite ist die Zahl der Spuren: wie viele Autos gleichzeitig fahren können. Der Ping ist die Fahrzeit für ein einzelnes Auto. Eine Straße mit acht Spuren ist nicht kürzer als eine mit zwei. Solange kein Stau herrscht, kommt das Auto auf beiden gleich schnell an.

Ein Spiel schickt keine großen Datenmengen, sondern viele kleine Pakete in schneller Folge: deine Position, dein Schuss, die Antwort des Servers. Jedes muss pünktlich da sein. Ein Tarifwechsel baut Spuren an, verkürzt aber keinen Meter Weg. Er hilft in genau einem Fall, und der steht weiter unten.

Illustration: zwei gleich lange Straßen nebeneinander, eine breit mit vielen Spuren, eine schmal mit zwei, auf beiden ein einzelnes Auto an derselben Stelle

Zuerst die Serverregion

Der wirksamste Hebel ist die Wahl des Servers, und er wird am seltensten benutzt. Signale laufen durch Glasfaser mit endlicher Geschwindigkeit, und eine Strecke nach Nordamerika oder Asien und zurück ist schlicht lang. Diese Grundlaufzeit ist Physik. Kein Router, kein Kabel und kein Tarif holt sie zurück.

Sieh deshalb zuerst in den Einstellungen des Spiels nach, ob es eine Region auswählen lässt. Viele Spiele stehen auf „Automatisch", und automatisch heißt nicht immer nah: Manche wählen nach Spielerzahl oder Wartezeit, nicht nach Entfernung. Ein Serverbrowser zeigt den Ping je Region oft direkt an, und der Unterschied zwischen Europa und Übersee ist meist größer als alles, was du zu Hause noch herausholst.

Kabel statt Funk, wegen der Schwankung

WLAN ist nicht nur langsamer als ein Kabel, es ist vor allem unregelmäßiger. Funk teilt sich die Luft mit den Nachbarn und jedem anderen Gerät im Haus. Geht ein Paket verloren, wird es neu gesendet, und jede Wiederholung kostet Zeit. Im Spiel tut die Schwankung mehr weh als der Mittelwert. Ein Ping, der ruhig steht, ist besser als einer, der im Schnitt niedriger liegt, aber alle paar Sekunden springt. Diese Schwankung heißt Jitter, und sie ist das Ruckeln, das du spürst.

Ein Netzwerkkabel zum Router ist darum die zweite Maßnahme. Geht das nicht: nah am Router, 5-GHz-Band, ein ordentlicher Empfänger im Rechner (WLAN-Adapter am PC einrichten, bester WLAN-Stick zum Zocken). Ein Repeater ist für den Ping keine Lösung: Er funkt jedes Paket zweimal und verdoppelt die Schwankung, die du loswerden willst (beste WLAN Repeater). Powerline über die Stromleitung ist die Zwischenlösung, stabiler als Funk durch zwei Wände, aber abhängig von der Hausverkabelung und störanfällig, sobald ein Staubsauger am selben Stromkreis hängt.

Illustration: ein Schreibtisch mit Rechner und dunklem Bildschirm, ein Netzwerkkabel läuft am Boden entlang durch eine offene Tür zu einem Router im Flur

Die Leitung ist besetzt

Derselbe Anschluss, dieselbe Entfernung, und plötzlich ist der Ping ein Vielfaches. Dann läuft im Hintergrund etwas, das die Leitung füllt. Ein Steam-Download, ein Cloud-Abgleich, die Konsole im Wohnzimmer, die ein Update zieht. Sobald mehr ankommen will, als die Leitung durchlässt, staut sich der Überschuss in einem Zwischenspeicher im Router, und deine Spielpakete warten in dieser Schlange, bis der Download vor ihnen dran war.

Das ist der einzige Fall, in dem mehr Bandbreite hilft. Der schnellere Weg ist, die Schlange zu leeren: Download pausieren oder drosseln (Steam Download Geschwindigkeit langsam zeigt, wo der Regler sitzt), Cloud-Dienste auf später legen, die Konsole nachts aktualisieren lassen.

Was Priorisierung im Router kann und was nicht

Viele Router bieten eine Priorisierung, oft „QoS" genannt. Sie sortiert die Schlange um, sodass Spielpakete vor Downloads drankommen. Das wirkt für alles, was dein Netz verlässt, denn diese Schlange steht in deinem Router. Beim Herunterladen entsteht der Stau vor dem Router, beim Anbieter, und darauf hat dein Gerät kaum Zugriff. Priorisierung lindert, sie ersetzt das Pausieren nicht.

Am Rechner selbst

Was für den Anschluss gilt, gilt für den Rechner: Windows-Update, ein Launcher, der ein anderes Spiel aktualisiert, ein offener Stream im zweiten Fenster. Die Spalte „Netzwerk" im Task-Manager zeigt, wer gerade sendet. „Gaming-Booster" und Ping-Optimierer ändern daran nichts. Ein Programm auf deinem Rechner kann die Strecke zum Server nicht verkürzen und den Stau beim Anbieter nicht auflösen. Ein alter Rechner ist auch kein Ping-Problem: Er liefert weniger Bilder pro Sekunde, aber die Laufzeit zum Server bleibt gleich (wie lange ein Gaming-PC hält).

Messen statt raten

Windows bringt zwei Werkzeuge mit. Öffne die Eingabeaufforderung und tippe ping, gefolgt von der Adresse deines Routers (sie steht auf seinem Aufkleber) und dem Zusatz -t für eine Dauermessung. Der erste Sprung sagt dir, wo du suchen musst. Springt schon die Zeit zum Router, liegt das Problem in deinem Netz, fast immer im WLAN. Steht sie ruhig, liegt es weiter draußen.

Dann tracert, gefolgt von einer Zieladresse, etwa dem Spielserver oder einer bekannten Website. Die Ausgabe listet jede Station auf dem Weg mit ihrer Laufzeit. Die zweite Station ist meist der erste Router deines Anbieters: Macht die Zeit dort einen Satz, ist es der Anschluss. Wächst sie erst weit hinten, ist es die Strecke, und dagegen hilft nur eine andere Serverregion. Stationen, die nicht antworten, sind normal.

Illustration: eine Kette aus verbundenen Punkten, links ein Rechner, dann ein Router, dann mehrere gleichartige Stationen bis zu einem Server rechts, ein Abschnitt in der Mitte farbig hervorgehoben

Wo die Grenze liegt

Manche Anschlüsse bringen eine Grundlaufzeit mit, die keine Maßnahme aus dieser Liste wegnimmt. Mobilfunk teilt sich die Funkzelle mit allen anderen Nutzern, und die Laufzeit schwankt mit deren Zahl. Satellit über geostationäre Bahnen schickt jedes Paket in den Weltraum und zurück; allein diese Strecke ist für schnelle Spiele meist zu lang. Systeme in niedriger Umlaufbahn sind besser, bleiben aber Funk. DSL mit Interleaving verschachtelt Daten zur Fehlerkorrektur über mehrere Zeitfenster; das stabilisiert die Leitung und verzögert jede Übertragung um einen festen Betrag. Manche Anbieter schalten das auf Wunsch ab, das heißt dann Fastpath. Ob dein Anschluss so läuft, steht in der Router-Oberfläche bei den DSL-Informationen.

Die ehrliche Einschränkung

Diese Seite nennt bewusst keine Millisekunden. Was ein „guter" Ping ist, hängt an Strecke, Anschluss und Spiel: Ein Shooter verzeiht weniger als ein Aufbauspiel, und eine Verbindung nach Übersee hat eine andere Untergrenze als eine im eigenen Land. Wir betreiben kein Testlabor und messen weder Router noch Adapter oder Tarife. Die Schritte oben sind Bedienwege in Windows 11 und in Spieleinstellungen; Menüs können sich mit Updates ändern, und die Bilder auf dieser Seite sind Illustrationen, kein Beleg. Was das im Einzelnen heißt, steht in Wie wir testen.

Neue Builds und Preisstürze — sonst nichts

Wir messen die Preise aus unseren Listen einmal am Tag bei Geizhals. Fällt einer unter alles, was wir bisher gemessen haben, schreiben wir dir — genauso, wenn eine neue Zusammenstellung fertig ist. Sonst hörst du nichts: kein Rundbrief nach Plan, keine Werbung Dritter, kein Weiterverkauf der Adresse.