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Gaming Gear8 min Lesezeit

Stream Deck Alternativen: du bezahlst die Software, nicht die Tasten

Illustration: Drei Eingabegeräte nebeneinander — ein Feld aus neunzehn leeren Tasten, ein Makropad mit neun Tasten und zwei Drehreglern, ein flach liegendes Handy mit schwarzem Bildschirm

Zu Stream Deck Alternativen gibt es auf Deutsch keine Kaufberatung, nur Reddit-Fäden und englische Listen mit zehn Geräten, die alle gleich aussehen. Das ist kein Zufall: Die Geräte sehen tatsächlich gleich aus. Fünfzehn Tasten mit kleinen Displays, ein USB-Kabel, ein Ständer. Der Nachbau kostet einen Bruchteil, und auf dem Foto fehlt nichts.

Nur bezahlst du bei Elgato nicht die Tasten, sondern die Software — die Verzahnung mit OBS, Discord, Twitch, dem Mikrofon-Mischer und den Lampen hinter dir. Das Gerät selbst ist eine Tastatur mit Bildchen. Eine Alternative ist deshalb nur dann eine, wenn sie diese Anbindung mitbringt oder du sie nicht brauchst. Danach ordnet sich alles: Nachbau, Handy, Makropad oder gar kein Gerät.

Dieser Text ordnet die vier Wege nach genau dieser Frage. Er nennt keine Preise und keine Messwerte für einzelne Geräte; womit wir arbeiten und womit nicht, steht in Wie wir testen.

Was das Original eigentlich verkauft

Ein Stream Deck ohne die Elgato-Software ist ein Stück Plastik mit dunklen Tasten. Die Displays zeigen nichts von selbst — das Programm auf dem PC malt jedes Tastenbild und schickt es über USB an das Gerät. Drückst du eine Taste, meldet das Gerät nur „Taste sieben gedrückt“. Was daraufhin passiert, entscheidet allein das Programm auf dem Rechner.

Dieses Programm ist das Produkt. Es spricht direkt mit OBS, ohne dass du ein Tastenkürzel anlegen musst. Es stellt dich in Discord stumm und zeigt auf der Taste, dass du stumm bist. Es schaltet die Szene, dimmt das Licht, startet den Timer, und für alles, was Elgato nicht selbst gebaut hat, hat jemand anderes ein Plugin geschrieben. Die Tasten wechseln ihr Bild, wenn du das Programm wechselst — im Spiel liegen andere Belegungen als im Schnittprogramm.

Deshalb unterscheiden sich die drei Größen nur in der Zahl der Tasten: das Stream Deck Mini mit sechs, das normale mit fünfzehn, das Stream Deck XL mit zweiunddreißig. Können tun sie alle dasselbe. Wer die Anbindung braucht, kauft bei Elgato die Anbindung und bekommt das Gerät dazu. Wer sie nicht braucht, bezahlt für Plugins, die er nie öffnet.

Ein Nebeneffekt, den man vor dem Kauf wissen sollte: Wer ohnehin Elgato-Hardware am Rechner hat — eine Capture Card, ein Wave-Mikrofon, ein Key Light — bekommt die Steuerung dafür geschenkt, weil sie in derselben Software steckt. Wie die Capture Card überhaupt an den Rechner kommt, steht in Capture Card anschließen; das Deck ist dann nur die Fernbedienung dafür.

Die Nachbauten: gleiche Bauform, eigene Software

Ajazz, Mirabox, Ulanzi und eine Reihe namenloser Verwandter bauen das Gerät nach: dieselbe Zahl Tasten, dieselben kleinen Displays, oft derselbe Ständer. Wer nach „Ajazz Stream Deck“ sucht, findet genau das — ein Gerät, das auf dem Schreibtisch nicht vom Original zu unterscheiden ist. Der Unterschied sitzt nicht auf dem Schreibtisch, sondern auf der Festplatte.

Jeder Nachbau bringt sein eigenes Programm mit, und mit Elgatos Software läuft er nicht. Was diese Programme fast immer können: Tastenkürzel senden, Programme starten, Text einfügen, OBS über dessen eingebaute Fernsteuerung schalten. Was oft dünn ist oder fehlt: die Anbindung an Discord, an Lichter, an Mischpulte, an alles, wofür es bei Elgato ein fertiges Plugin gibt. Und die Tasten wechseln seltener von selbst ihr Bild, wenn du das Programm wechselst.

Der Punkt, an dem ein Nachbau gut genug ist, liegt genau dort, wo du deine Belegungen aufschreiben kannst, ohne ein Plugin zu nennen. „Szene wechseln, Mikro stumm, Musik leiser, Spiel starten“ — das ist Tastenkürzel-Arbeit, und dafür reicht jeder Nachbau als Stream Deck Alternative. „Discord-Kanal wechseln und den Status auf der Taste sehen“ — das ist Plugin-Arbeit, und da wird das billige Gerät wieder wertlos, weil du das Ergebnis auf dem Bildschirm nachprüfen musst.

Eine Ausnahme, die kein Nachbau ist: Loupedeck, inzwischen bei Logitech, hat ein eigenes Ökosystem mit Drehreglern und eigenen Plugins. Das ist kein billigeres Stream Deck, sondern ein anderes Gerät für andere Hände — eher Schnitt und Foto als Stream. Wer eine Alternative sucht, weil das Original zu teuer ist, findet dort keine.

Das Handy als Deck

Das Handy liegt ohnehin auf dem Schreibtisch, kostet nichts extra und hat einen Bildschirm, der größer ist als jedes Deck. Programme wie Touch Portal, Macro Deck oder Elgatos eigene Handy-App machen daraus eine Tastenfläche; die eigentliche Arbeit macht wieder ein Programm auf dem PC, das Handy zeigt nur die Tasten an und meldet, welche gedrückt wurde. Das ist die Bauweise des Originals ohne das Gerät — bei Elgatos eigener App sogar mit derselben Software.

Es kann mehr als jedes Gerät: beliebig viele Seiten, beliebig große Tasten, Regler, Anzeigen, und das alles ohne Kabel. Wer nur ausprobieren will, ob ein Deck etwas an seinem Ablauf ändert, kommt so an die billigste ehrliche Antwort — und merkt nach zwei Abenden, welche Tasten er wirklich drückt.

Was dagegen spricht, sind drei Dinge, die auf keinem Datenblatt stehen. Es gibt kein Tastgefühl — du musst hinsehen, um zu treffen, und im Spiel sieht man nicht hin. Der Akku ist irgendwann leer, oder das Handy klingelt, oder die Verbindung ist weg, und zwar immer während des Streams. Und das Handy ist danach kein Handy mehr, sondern ein Gerät, das die ganze Zeit an bleiben muss. Als Dauerlösung ist es die schlechteste der vier; als Probe vor dem Kauf die beste.

Das Makropad: die ehrlichste Alternative

Ein Makropad ist ein Stück mechanische Tastatur ohne den Rest: sechs, neun, zwölf oder sechzehn Tasten, echte Schalter, manchmal ein Drehregler, Kabel dran. Es meldet sich am PC als Tastatur und schickt, was du ihm über QMK, VIA oder die Herstellersoftware beigebracht hast — ein Tastenkürzel, eine ganze Tastenfolge, oder eine Ebene tiefer eine andere Belegung. Es braucht kein Programm, das läuft, weil es keine Bilder braucht.

Das ist der Grund, warum es als Stream Deck Alternative haltbarer ist als alles andere hier. Ein mechanischer Schalter überlebt Jahre, und die Belegung sitzt im Gerät, nicht in einem Programm, das gepflegt werden muss. Verschwindet der Hersteller morgen, funktioniert das Pad übermorgen noch. OBS, Discord und jedes andere Programm verstehen Tastenkürzel — mehr muss ein Makropad nicht können.

Was es nicht kann, ist die eine Sache, die das Original ausmacht: Die Beschriftung wechselt nicht. Keine Displays, also keine Bilder, also keine Belegung, die sich mit dem Programm ändert. Wer zwölf Tasten hat und drei Ebenen darauf legt, muss sich sechsunddreißig Belegungen merken. Nach zwei Wochen kannst du die erste Ebene; die dritte benutzt du nie.

Für wen das kein Verlust ist: für jeden, dessen Belegungen gleich bleiben. Szene eins bis vier, Mikro stumm, Ton leiser, Pausenbild — das ändert sich nicht zwischen Dienstag und Samstag, und wer es einmal weiß, will es nicht mehr auf einem Display lesen. Wer an einer 60-Prozent-Tastatur die Funktionstasten vermisst, bekommt sie so gleich mit zurück. Und wer Tasten mit Display sucht, weil er die Beschriftung doch will, sollte wissen, dass eine Tastatur mit Display etwas anderes ist: Dort zeigt der Bildschirm Status an, nicht die Belegung jeder Taste.

Ganz ohne Gerät

Bevor du irgendetwas kaufst: OBS hat eingebaute Tastenkürzel für alles, was ein Deck schaltet — Szenen, Quellen, Aufnahme, Stummschalten. Sie funktionieren auch, wenn das Spiel im Vordergrund ist, und sie kosten nichts. Ein Deck macht nichts, was ein Tastenkürzel nicht kann; es macht es nur ohne Nachdenken. Wer erst drei Szenen hat, braucht drei Kürzel und kein Gerät.

Die Grenze ist die Tastatur selbst. Ein Kürzel muss frei sein — im Spiel sind F-Tasten und Ziffern oft belegt, und Strg+Alt+Irgendwas trifft man im Eifer nicht. Ab fünf oder sechs Kürzeln fängt das Suchen an. Eine Maus mit vielen Seitentasten ist an dieser Stelle das Makropad, das du vielleicht schon besitzt: Die Seitentasten liegen unter dem Daumen und sind im Spiel meist frei.

Die alte Tastatur aus der Schublade als zweites Eingabegerät ist der naheliegende nächste Schritt — und der, bei dem man ehrlich sein muss. Windows unterscheidet nicht zwischen zwei Tastaturen: Ein F5 von der alten ist dasselbe F5 wie von der neuen. Damit die zweite Tastatur eigene Befehle sendet, braucht es ein Hilfsprogramm, das sie abfängt, und diese Programme sind Bastelei, die nach dem nächsten Windows-Update gern von vorn beginnt. Es geht — aber wer so weit ist, ist mit einem kleinen Makropad schneller am Ziel als mit einer ganzen Tastatur und einem Werkzeug dazu.

Die Regel — und was sich vorher nicht prüfen lässt

Wechseln deine Belegungen ständig, brauchst du Displays. Dann ist die Frage nur noch, ob die Nachbau-Software an alles kommt, was du steuerst; wenn ja, reicht der Nachbau, wenn nein, ist das Original der Preis für die Plugins. Bleiben die Belegungen gleich, ist das Makropad die bessere und haltbarere Wahl — es kostet in der Regel weniger, hält länger und hängt an keinem Programm. Das Handy ist die Probe davor, die Tastenkürzel in OBS sind die Stufe, die man ohnehin zuerst nimmt.

Eine Stream Deck Alternative, die selten genannt wird: keine zu kaufen und das Geld an die Stelle zu legen, an der es im Stream sichtbar wird. Ein Deck ändert nichts an dem, was der Zuschauer sieht und hört. Was er hört, steht in Bestes Mikrofon für Streaming; ob das Bild überhaupt sauber ankommt, entscheidet der Streaming-PC, nicht die Fernbedienung dafür.

Was dieser Text nicht leisten kann: Wie zuverlässig die Software eines Nachbaus über Jahre gepflegt wird, lässt sich beim Kauf nicht prüfen — und genau daran hängt bei diesen Geräten mehr als an der Hardware. Die Tasten halten. Ob das Programm dazu die nächste OBS-Version, das nächste Windows und den nächsten Wechsel der Discord-Schnittstelle mitmacht, weiß man erst, wenn es so weit ist. Beim Original ist dieses Risiko kleiner, nicht null; beim Makropad gibt es das Risiko nicht, weil es kein Programm gibt, das sterben kann. Ob das Tastgefühl eines mechanischen Schalters einem Display vorzuziehen ist, bleibt außerdem Geschmackssache — eine Frage, die du mit dem Handy in der Hand selbst beantwortest, bevor du etwas kaufst.

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