HardwareVon Stefan HaunAktualisiert am 9 min Lesezeit
Gaming-PC selbst bauen oder kaufen? Die Rechnung mit echten Preisen

„Selbst bauen ist billiger" steht in fast jedem Ratgeber — gerechnet wird es fast nie. Wir haben die eine Hälfte der Rechnung ohnehin: Für jede unserer Zusammenstellungen fragen wir die Preise der Einzelteile täglich bei Geizhals ab. Die andere Hälfte ist ein Fertig-PC mit demselben Herz, also derselben Desktop-CPU und derselben Grafikkarte.
Das Ergebnis vom 15.09.2026 ist knapper, als die meisten erwarten: Der günstigste passende Fertig-PC kostete nur 3 bis 8 Prozent mehr als unsere Einzelteile — und wer Windows mitrechnet, zahlt beim Selbstbau sogar drauf. Was dieser Vergleich zeigt, was er nicht zeigen kann und was bei Gewährleistung, Garantie und Widerruf wirklich gilt, steht unten. Den Fertig-PC-Check zum Ausdrucken gibt es am Ende.
Die Verweise auf Geizhals-Angebote sind Partnerlinks. Kaufst du darüber, kann EliteGear eine Provision erhalten — für dich ändert sich am Preis nichts, und auf den Vergleich hat es keinen Einfluss.
Die Rechnung: gleiche CPU, gleiche Grafikkarte

Verglichen haben wir jeden unserer Builds mit eigener Grafikkarte. Als Treffer zählt ein Rechner aus der Geizhals-Kategorie „Komplettsysteme", in dessen Produktname dieselbe Desktop-CPU und dieselbe Grafikkarte stehen. Mini-PCs und Geräte mit Notebook-Prozessoren zählen nicht mit, auch wenn die Grafikkarte gleich heißt. Für zwei Builds gab es passende Rechner:
| Unser Build | Teile am 15.09.2026 | günstigster Fertig-PC ohne Windows | Aufpreis |
|---|---|---|---|
| Gaming-PC für 1000 Euro Ryzen 7 5700X, Arc B580 | 965,63 € | Captiva Entry Gaming R10-1555 5 Angebote | 1.043,33 € +8 % |
| Sim-Racing-PC Ryzen 7 9700X, Radeon RX 9070 XT | 1.787,03 € | Captiva Highend Gaming R88-743 4 Angebote | 1.843,12 € +3 % |
Bestpreise laut Geizhals, abgefragt am 15.09.2026. Die Teilesumme ist die Summe der Tagespreise aus der Tabelle des jeweiligen Builds. Für unsere Builds für 700 Euro und den LS25-PC fand sich kein Fertig-PC mit genau derselben CPU und Grafikkarte.
Mit Windows kippt die Rechnung
Unsere Teilelisten enthalten kein Betriebssystem. Windows 11 Home kostet im Microsoft Store 145 Euro. Mehrere der Fertig-PCs werden mit vorinstalliertem Windows 11 Home angeboten:
| Build | Teile + Windows | günstigster Fertig-PC mit Windows | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Gaming-PC für 1000 Euro | 1.110,63 € | Captiva Entry Gaming R10-1551: 1.061,31 € | Fertig-PC 49,32 € günstiger |
| Sim-Racing-PC | 1.932,03 € | Captiva Highend Gaming R88-739: 1.861,10 € | Fertig-PC 70,93 € günstiger |
Wer schon eine Windows-Lizenz hat, rechnet die 145 Euro nicht mit. Das geht aber nur mit einer einzeln gekauften Lizenz: Laut Microsoft-Lizenzbedingungen darf vorinstalliertes Windows (OEM) nur zusammen mit dem Gerät weitergegeben werden, auf dem es installiert war. Welche Lizenz im alten Rechner steckt, lässt sich vorher prüfen: Wie man den Windows-Key ausliest, zeigt Windows-FAQ Schritt für Schritt.
Was der Preis nicht zeigt
Gleiches Herz heißt nicht gleiches Gerät. Der Produktname eines Fertig-PCs nennt CPU, Grafikkarte, Arbeitsspeicher und SSD-Größe — aber fast nie das, woran gespart wird, weil es niemand im Namen sucht:
- Netzteil: Hersteller, Leistung und Effizienz stehen meist nur im Datenblatt, oft gar nicht. In unseren Builds steckt ein Netzteil mit angegebener Leistung und Marke, bei den Fertig-PCs im Vergleich oben lässt sich das aus dem Namen nicht ablesen.
- Arbeitsspeicher: „16GB RAM" kann ein Riegel sein oder zwei. Zwei Riegel laufen im Dual-Channel-Betrieb — laut ASUS gehören sie dafür in die Steckplätze A2 und B2; ein einzelner Riegel verschenkt diesen Betrieb.
- SSD: „1TB SSD" sagt nichts über Schnittstelle und Hersteller.
- Mainboard und Gehäuse: entscheiden über spätere Aufrüstbarkeit und Kühlung, stehen aber selten im Namen.
Dazu kommt eine Grenze des Vergleichs selbst: Fast alle Treffer stammen von einem Anbieter (Captiva) und haben nur drei bis fünf Angebote. Das ist eine belastbare Aussage über diese zwei Builds an diesem Tag, kein Marktdurchschnitt.
Gewährleistung und Garantie: der eigentliche Unterschied
Das ist kein Rechtsrat, sondern der Stand der Gesetze und Verbraucherstellen. Gewährleistung ist gesetzlich und richtet sich gegen den Verkäufer, Garantie ist eine freiwillige Zusage, meist des Herstellers, mit eigenen Bedingungen — so erklären es die Verbraucherzentrale Niedersachsen und die AK Steiermark.
| Merkmal | Deutschland | Österreich |
|---|---|---|
| Gewährleistungsfrist | 2 Jahre ab Ablieferung (§ 438 BGB) | 2 Jahre ab Übergabe (§ 10 VGG) |
| Mangel gilt als von Anfang an vorhanden, wenn er sich zeigt innerhalb von | 1 Jahr (§ 477 BGB) | 1 Jahr (§ 11 VGG) |
Beim Selbstbau gilt beides je Bauteil, gegenüber dem Händler, bei dem das Teil gekauft wurde — beim Fertig-PC für das ganze Gerät gegenüber einem Verkäufer. Eine Verbraucherzentrale hat das nicht ausdrücklich so aufgeschrieben; die Fachpresse beschreibt es so, etwa PC Games Hardware. Im Alltag heißt das: Startet ein selbst gebauter Rechner nicht, musst du zuerst selbst herausfinden, welches Teil schuld ist.
Dafür sind Herstellergarantien einzelner Teile oft länger als die eines Komplett-PCs. Einige Beispiele laut Hersteller: Seasonic gibt auf die PRIME-Netzteile 12 Jahre, Samsung auf die SSD 990 PRO 5 Jahre oder bis zur TBW-Grenze, ASUS auf Mainboards 36 Monate, G.Skill auf Arbeitsspeicher eine begrenzte lebenslange Garantie. Bei Fertig-PC-Anbietern: MIFCOM nennt 3 Jahre, Joule Performance bis zu 3 Jahre — mit dem Hinweis, dass der Tausch großer Teile wie des Mainboards die Garantie für das System kostet.
Widerruf: auch beim konfigurierten PC
Online gekaufte Ware lässt sich in Deutschland innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Ausgenommen sind Waren, die nach Kundenwunsch angefertigt werden (§ 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB). Ein im Konfigurator zusammengestellter PC fällt nach einem Urteil des BGH (VIII ZR 295/01) aber meist nicht darunter: Lassen sich die Standardteile ohne unverhältnismäßigen Aufwand wieder trennen — laut BGH, wenn der Rückbau weniger als 5 Prozent des Warenwerts kostet —, bleibt das Widerrufsrecht bestehen, so das Verbraucherportal Bayern. In Österreich reicht laut VKI die bloße Zusammenstellung vorgefertigter Serienteile ebenfalls nicht für die Ausnahme.
Der Mittelweg: Teile aussuchen, zusammenbauen lassen
Viele Händler bauen die Teile aus dem Warenkorb gegen Aufpreis zusammen. Mindfactory verlangt dafür laut einem Bericht von Borncity regulär 149 Euro; der aktuelle Preis steht im Warenkorb. Alternate bietet Montage und Test im Konfigurator an, nennt auf der Seite aber keinen festen Betrag. Mit 149 Euro Montage liegt der Selbstbau in beiden Vergleichen oben über dem Fertig-PC.

Wann Selbstbau sich trotzdem lohnt
Wenn nicht der Preis, dann diese Gründe — sie sind der eigentliche Unterschied:
- Du hast schon Teile. Grafikkarte, SSD, Gehäuse oder eine einzeln gekaufte Windows-Lizenz aus dem alten Rechner senken die Rechnung sofort. Ein Fertig-PC bringt alles neu mit.
- Du willst wissen, was drin ist. Netzteil, Mainboard und Speicherbestückung sind beim Selbstbau deine Entscheidung und kein Kleingedrucktes.
- Du willst später aufrüsten. Ein Mainboard mit freien Steckplätzen und ein Netzteil mit Reserve sind beim Selbstbau planbar.
- Du baust gern. Der Zeitaufwand ist real, aber für manche der Grund. Die Reihenfolge und die Handgriffe stehen in PC zusammenbauen.
Und umgekehrt spricht für den Fertig-PC: ein Ansprechpartner für das ganze Gerät, keine Fehlersuche zwischen Bauteilen, und — wie die Rechnung oben zeigt — in manchen Klassen nicht einmal ein Aufpreis.
Die Entscheidung in fünf Fragen
- Brauchst du Windows neu? Dann rechne 145 Euro auf die Teilesumme — bei unseren Vergleichen war der Fertig-PC dann günstiger.
- Hast du schon Teile, die weiterlaufen? Dann spricht der Preis für den Selbstbau.
- Kannst du einen Rechner selbst eingrenzen, der nicht startet? Wenn nein, ist die Gewährleistung für das ganze Gerät viel wert.
- Nennt der Fertig-PC Netzteil, Speicherbestückung und SSD? Wenn nicht, frag nach, bevor du bestellst — genau dort wird gespart.
- Willst du in zwei Jahren aufrüsten? Dann prüfe beim Fertig-PC, ob der Tausch großer Teile die Garantie kostet.
Der Fertig-PC-Check als PDF
Zwei Seiten A4 zum Mitnehmen in den Warenkorb: die Rechnung Einzelteile gegen Fertig-PC zum Ausfüllen, die sieben Angaben, die ein Fertig-PC nennen sollte, und was bei Gewährleistung, Garantie und Widerruf gilt. Trag dich ein, und der Download steht sofort auf der nächsten Seite bereit. Danach schreiben wir dir nur, wenn eine neue Zusammenstellung fertig ist oder ein Preis unter alles fällt, was wir bisher gemessen haben.
Weiterlesen
- Gaming-PC selbst zusammenstellen — alle Teilelisten mit Tagespreisen
- Fertig kaufen, nach Preisstufe mit Tagespreisen: unter 1000 Euro, bis 1200 Euro, bis 1500 Euro, bis 2000 Euro
- PC zusammenbauen: Reihenfolge und Handgriffe
- Welche Teile braucht man für einen PC?
- Gaming-PC oder Laptop?
Woher die Zahlen auf dieser Seite kommen
Wir betreiben kein Testlabor. Die Preise stammen aus dem Geizhals-Preisvergleich: die Teilesummen aus den täglich abgeglichenen Tabellen unserer Builds, die Fertig-PCs aus einer Abfrage vom 15.09.2026 (Kategorie „Komplettsysteme", gleiche Desktop-CPU und Grafikkarte im Produktnamen, ohne Mini-PCs und Notebook-Prozessoren). Rechtliche Angaben stammen aus den Gesetzestexten und von Verbraucherstellen, Garantieangaben von den Herstellern und Anbietern; alles ist an der jeweiligen Stelle verlinkt. Das ist keine Rechtsberatung. Was das im Einzelnen heißt, steht in Wie wir testen.
Die kurze Fassung
- Gleiche CPU und Grafikkarte: Der günstigste Fertig-PC kostete am 15.09.2026 nur 3 bis 8 Prozent mehr als unsere Einzelteile.
- Mit Windows (145 Euro) war der Fertig-PC in beiden Vergleichen günstiger als der Selbstbau.
- Gespart wird beim Fertig-PC dort, wo es niemand im Namen sucht: Netzteil, Speicherbestückung, SSD, Mainboard.
- Selbstbau: Gewährleistung je Teil, oft längere Herstellergarantien. Fertig-PC: ein Ansprechpartner für alles.
- Auch konfigurierte PCs lassen sich meist widerrufen, wenn die Teile Standardteile sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist ein selbst gebauter Gaming-PC billiger als ein Fertig-PC?
Nicht automatisch. In unserem Vergleich vom 15.09.2026 kostete der günstigste Fertig-PC mit derselben CPU und Grafikkarte nur 3 bis 8 Prozent mehr als die Einzelteile; mit Windows 11 Home war der Fertig-PC sogar günstiger. Billiger wird der Selbstbau vor allem, wenn du Teile oder eine Windows-Lizenz weiterverwendest.
Welche Gewährleistung habe ich beim Selbstbau?
Die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gilt in Deutschland und Österreich je Bauteil gegenüber dem Händler, bei dem du es gekauft hast. Beim Fertig-PC gilt sie für das ganze Gerät gegenüber dem Verkäufer. Herstellergarantien kommen freiwillig dazu.
Kann ich einen im Konfigurator zusammengestellten PC widerrufen?
In der Regel ja. Laut BGH (VIII ZR 295/01) bleibt das Widerrufsrecht bestehen, wenn sich die Standardteile ohne großen Aufwand wieder trennen lassen — der Rückbau also weniger als 5 Prozent des Warenwerts kostet. In Österreich reicht die bloße Zusammenstellung von Serienteilen laut VKI ebenfalls nicht für eine Ausnahme.
Worauf muss ich bei einem Fertig-PC achten?
Auf das, was selten im Produktnamen steht: Hersteller und Leistung des Netzteils, ob der Arbeitsspeicher aus zwei Riegeln besteht, Schnittstelle der SSD und das Mainboard. Fehlen diese Angaben, frag vor der Bestellung nach.
Was kostet es, einen PC zusammenbauen zu lassen?
Das hängt vom Händler ab. Für Mindfactory nennt ein Bericht regulär 149 Euro; Alternate bietet die Montage im Konfigurator ohne festen Betrag auf der Seite an. Den aktuellen Preis zeigt jeweils der Warenkorb.